Im Höhenflug

von Redaktion

Die deutschen Skispringer gewinnen auch das Mixed und krönen eine grandiose WM

VON PATRICK REICHELT

Seefeld – Werner Schuster hatte es eilig, in den Auslauf der Toni-Seelos-Schanze zu kommen. Der Österreicher hastete die Treppen hinunter, sprang über Metallabsperrungen und über alles andere, was sich da zwischen ihn und seine deutschen Skispringer stellte. Weil er dabei sein wollte, bei dem Spektakel, das gerade seinen Anfang nahm.

Mit einem Flug auf 107 Meter hatte Karl Geiger wenige Minuten zuvor auch Österreichs letzte leise Goldhoffnung bei dieser Weltmeisterschaft beiseite gewischt. Der Oberstdorfer vollendete souverän, was Katharina Althaus, Markus Eisenbichler und Juliane Seyfarth zuvor begonnen hatten. Zum dritten Mal in Folge holte sich ein deutsches Quartett den WM-Titel im Mixed. Wie schon vor zwei Jahren in Lahti musste sich Österreich mit Platz zufrieden geben. Bronze blieb Norwegen.

Das passte ins Bild dieser Titelkämpfe. Die WM hatte für die Skispringer gut eine Woche zuvor mit Gold begonnen. Und mit Gold ging sie nun also auch zu Ende. Die sechste Medaille im sechsten Springer-Wettbewerb.

Doch anders als Eisenbichlers Überraschungscoup in Innsbruck war dieser Titel einer der logischsten. Die deutschen Skispringer hatten bei dieser WM die beste Männer-Mannschaft und sie hatten das beste Frauen-Team. Und nun stach also auch die Mischung aus beiden. Und nicht zuletzt Katharina Althaus schwärmte: „Diese Medaille ist ganz wichtig, weil es am schwersten ist, hier dabei zu sein.“ Nun gut, große Gedanken über ihre Nominierung wird sich die Oberstdorferin nicht gemacht haben. Zwei Goldmedaillen errang Althaus in den Teamwettbewerben, im Einzelspringen, wo sie Silber holte, fehlten ihr nur 25 Zentimeter zum dritten Titel – und damit zur Bilanz von Markus Eisenbichler, der von der Großschanze zwei Titel mitgebracht hatte und mit insgesamt dreimal Gold der erfolgreichste deutsche Teilnehmer in Tirol war.

Und mit Sprüngen auf 107,5 und 103 Meter bestätigte gerade Althaus auch im Mixed ihre Form so eindrucksvoll, dass Franz Steinle, der Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV) schwärmte: „Frauen-Skispringen war für mich der große Gewinner dieser Weltmeisterschaft.“ In der Tat: Schon im Team und im Einzel hatten die Frauen auf der Seefelder Anlage hochkarätige Wettkämpfe geliefert. Und das taten sie auch im Mixed. Vor allem Althaus’ Duell mit der extrovertierten Österreicherin Eva Pinkelnig (105,5/103,5 m) dürfte nicht nur die gut 11 000 Zuschauer an der Seefelder Anlage begeistert haben. Männer-Bundestrainer Werner Schuster inklusive. „Dass wir hier mit den Mädels so einen Abschluss feiern dürfen, freut mich riesig“, schwärmte der 49-Jährige, „das war absolut fantastisch, wir haben hier grandiose Weltmeisterschaften erlebt.“

Zu vier Titeln flog das deutsche Springerensemble in Tirol. Einzig im grotesken Einzelwettbewerb von der Normalschanze am Freitag war Schusters Ensemble leer ausgegangen. Hauptopfer war Karl Geiger, der beim Sieg des Polen Dawid Kubacki ohne größeren Fehler von Platz zwei auf 18 abstürzte. Klar, dass der Oberstdorfer, der Seefeld mit zwei Gold- und einer Silbermedaille verlässt, tags darauf nach seinen Flügen auf 103,5 und 107 m besonders strahlte. „Das ist schon sehr versöhnlich“, sagte er, „der Einzelwettbewerb auf der Normalschanze war ziemlich frustrierend.“

Gut möglich, dass man in Oberstdorf das Springerspektakel von Tirol auch mit gemischten Gefühlen miterlebt hat. Die Allgäuer Marktgemeinde, deren Vertreter gestern die Fahne des Weltverbandes FIS übernahmen, richtet in zwei Jahren bekanntlich die nächste Nordische WM aus. Und nach vier Gold- und zwei Silbermedaillen liegt die Latte gerade für die Sprung-Wettbewerbe auf den Anlagen am Schattenberg mächtig hoch.

Doch nicht zuletzt Überfliegerin Katharina Althaus hat da so überhaupt keine Bedenken: „Es geht immer besser“, rief die 22-Jährige. Na dann.

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