München – Oliver Kahn kehrt Anfang des kommenden Jahres zum FC Bayern zurück. Das bestätigt zwar noch keine der beteiligten Personen, zwischen den Zeilen wird das aber mehr als deutlich. Der ehemalige Weltklasse-Keeper der Münchner soll zunächst im Schatten von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge an seine zukünftige Aufgabe herangeführt werden und dann den ersten Schritt des Umbruchs auf der Führungsebene vollziehen.
„Es finden weitere Gespräche statt“, sagte der 49-Jährige am Samstag im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF. „Dinge werden Stück für Stück konkretisiert. Man muss ganz in Ruhe abwarten.“ Eine klare Zusage wollte Kahn nicht geben. Seine Motivation für einen Posten in der Chefetage des FC Bayern ließ er aber durchblicken: „Ich habe 14 Jahre für den FC Bayern gespielt und viel erlebt. Ich habe dem Verein eine Menge zu verdanken. Es ist keine einfache Kopf-Entscheidung, sondern auch eine emotionale. Wir haben uns oft unterhalten und schauen, wie es konkret wird.“
Rummenigge selbst machte sich für seinen designierten Nachfolger stark. „Wenn das so geplant ist, wie es Uli letzte Woche kundgetan hat, mit dem Probejahr, dann ist das eine gute Geschichte. Ich traue Oliver das zu“, sagte der Bayern-Vorstandsvorsitzende: „Er war ein großer Spieler bei Bayern München. Er hat Ahnung vom Fußball, er hat sich auf dem zweiten Bildungsweg mit Finanzen und Wirtschaft seriös und gut auseinandergesetzt. Aber er muss schon eine gewisse Zeit da gewesen sein, bevor ich den Staffelstab übergebe.“
Der genaue Plan sieht vor, dass Kahn im Januar 2020 zum FC Bayern kommt und hat dann fast zwei Jahre Zeit, sich an Rummenigges Seite an die neue Aufgabe zu gewöhnen. Dessen Vertrag als Vorstandschef in München läuft noch bis Ende Dezember 2021. Bis dahin könnte Kahn sich auch darum kümmern, Zukunftslösungen für seine Unternehmen zu entwickeln. Der „Titan“ gründete unter anderem Goalplay, unterstützt damit die Ausbildung junger Torhüter. Er habe vor gut zehn Jahren seine aktive Karriere beendet und sich seitdem „vieles aufgebaut, das eine oder andere Unternehmen gegründet, habe Verantwortung für Mitarbeiter und kann nicht Knall auf Fall sagen, ich mache damit Schluss und werfe alles weg“, sagte er der Zeitung „Passauer Neue Presse“.
Zudem bliebe Kahn ausreichend Zeit, um seinen Job als Fußball-Experte beim ZDF vernünftig zu Ende zu bringen. Der frühere Bayern-Kapitän muss außerdem klären, was aus seinen verschiedenen Sponsorenverträgen wird.
Kahn, der FC Bayern, Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß – ihnen allen bietet sich ab 2020 die Möglichkeit, sich zu beschnuppern. Erst dann fällt eine endgültige Entscheidung. Dass es zwischen Rekordmeister und Titan nicht passt? Schwer vorstellbar .