„Die Härte der Strafen kann nicht groß genug sein“

von Redaktion

DOSB-Präsident Alfons Hörmann zu den möglichen Konsequenzen aus dem Seefelder Dopingskandal

Alfons Hörmann, die für Doping zuständige Schwerpunktstaatsanwaltschaft München hat aber wohl sehr erfolgreiche Arbeit geleistet?

Den staatlichen Ermittlungsbehörden ist offenkundig ein großer Coup gelungen. Es scheint gesichert, dass man einen Betrüger der großen Art mit seinen kriminellen Gefolgsleuten überführt hat und damit wohl auch zahlreiche weitere und Sportler als seine Kunden, die eindeutig gegen die Regeln und Gesetze verstoßen haben.

Sind Sie für harte Strafen von Dopern und Hintermännern?

Wir setzen uns seit Langem für die härtesten Sanktionen ein, die im Sportsystem möglich sind. Da der Fall nun auch von staatlicher Seite begleitet wird, drohen Betreuern und Athleten offenbar auch mehrjährige Haftstrafen. Dies sind drakonische Formen der Bestrafung, die aber hoffentlich auch die dringend erforderliche, stark abschreckende Wirkung für alle anderen haben.

Haftstrafen für deutsche Athleten wären ein Novum. Muss es harte Sanktionen geben, um einen Abschreckungseffekt zu bekommen?

Um es ganz klar zu sagen: Die Härte der Strafe für solche Verstöße kann im Grunde nicht groß genug sein. Leider wurden in der Vergangenheit oft die von Seiten des Sports verhängten harten Strafen – bis zu vier Jahren Sperre oder auch die Versuche, lebenslange Sperren auszusprechen – regelmäßig von Gerichten mit dem Argument wieder einkassiert, man dürfe kein Berufsverbot aussprechen. Ich kann nur sagen: Je härter, klarer und konsequenter Sportler, Hintermänner oder Betreuer bestraft werden, desto eher ist die Chance gegeben, dass diese Szenarien für alle anderen so abschreckend wirken, dass diese inakzeptablen und schockierenden Vergehen unterbleiben.

Muss es Veränderungen als Reaktion auf den Skandal geben?

Wir müssen den gesamten Vorgang nun erneut zum Anlass nehmen, auch gemeinsam mit der NADA und unseren 101 Mitgliedsorganisationen darüber zu diskutieren, was sich im Anti-Doping-Kampf noch weiter verbessern lässt. So müssen wir uns beispielsweise mit unseren Verbänden sicher auf allen Ebenen und bereits beim Nachwuchs beginnend noch präziser in den medizinischen Bereichen abstimmen.

Das Anti-Doping-Gesetz war im DOSB lange umstritten. Kann man nun glücklich sein, das von der Politik durchgeboxte Gesetz zu haben?

Ich möchte den Ermittlungsbehörden explizit unser Kompliment aussprechen. Wir sind froh, dass wohl wertvollste Erkenntnisse gesammelt wurden. Aus der jetzigen Perspektive sollten wir auch all denen dankbar sein, die das Anti-Doping-Gesetz auf den Weg gebracht und durchgesetzt haben.

Würden Sie als einstiger DSV-Präsident für die deutschen nordischen Sportler die Hände ins Feuer legen, dass ihre Erfolge nicht auch auf Doping gebaut sind?

Ich engagiere mich wie viele ehrenamtlich im Sport in der hoffentlich berechtigten Annahme, dass deutsche Athleten sauber an den Start gehen und bin sehr zuversichtlich, dass dies in der Vergangenheit ebenfalls der Fall war. In irgendeiner Form für jeden Einzelnen die Verantwortung zu übernehmen, ist aber nur schwer oder gar unmöglich, sofern die Dinge außerhalb unserer Strukturen passieren. Ich gehe aber nach wie vor davon aus, dass diejenigen, die in unsere Strukturen eingebunden und Teil unseres Team Deutschland sind, ob im Sommer oder Winter, sauber und redlich an den Start gehen. Wir bleiben bei der klaren DOSB-Positionierung: Uns ist die Fair-Play-Medaille lieber als der erste Rang.

Interview: Andreas Schirmer

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