Peter Schröcksnadel, seit 1990 Österreichs Skiverbands-Präsident, ist bekannt dafür, dass er ganz schnell auf gehörige Distanz geht, wenn da plötzlich arg geschäftsschädigende Entwicklungen ins Kraut schießen. Und so hat es der 77-Jährige natürlich nicht versäumt zu betonen, dass es sich beim Seefelder Dopingskandal nur um eine Sache von ein paar „Einzeltätern“ halte. Gut, es war auch von ihm nicht zu bestreiten, dass da zwei Landsleute sehr unangenehm aufgefallen sind. Doch Schröcksnadel hatte gleich eine erklärende Schmähung parat: „Trottel“ seien die beiden gewesen. Aber ansonsten, so ungefähr war der ÖSV-Chef zu verstehen, haben diese singulären Missetaten nichts mit Österreich oder gar seinem Ski-Verband zu tun. Und überhaupt, so der hohe Funktionär, handle es sich um eine „getürkte Aktion“ missgünstiger Subjekte.
Im Gegenzug glaubt Schröcksnadel klar zu wissen, wo sich das eigentliche Zentrum des Sportbetrugs befinde: in Deutschland. Schröcksnadel in einem Interview: Das Dopingsystem stamme nicht aus Österreich. „Das System wurde aus Deutschland geliefert, und darum muss ich ablehnen, dass jemand eine Schuld trägt. Gegen Kriminelle kann man nichts machen.“ Diese Aussage passt schön zu Schröcksnadels legendärem Satz nach dem Skandal bei Olympia in Turin 2006, als österreichische Sportler und Trainer auf der Flucht vor Dopingfahndern durchs Fenster türmten. Er sagte damals tatsächlich: „Österreich ist ein zu kleines Land, um gut zu dopen.“
Nun, der Erfurter Dopingarzt Schmidt und seine 40 Blutbeutel werden den deutschen Sport höchstwahrscheinlich noch längere Zeit intensiv beschäftigen. Und unabsehbar sind derzeit noch die Folgen. Dennoch muss man sich sehr über Schröcknadels Ansichten wundern. Hat doch gerade Österreich für ein so kleines Land eine erstaunlich spektakuläre Dopingvergangenheit. Von der Blutbeutel-Affäre 2002 in Salt Lake City, über die Razzia im Österreicher-Lager bei Olympia 2006 bis zur Wiener Blutbank und den Geständnissen des Langläufers Dürr.
So gesehen wirkt es mindestens befremdlich, wenn Österreichs Skipapst auf Doping-Diskussionen allein mit Schuldzuweisungen und Verschwörungstheorien reagiert. Nicht ganz abwegig ist dagegen, dass die Dopingkrise des Sports sehr konkrete personelle Ursachen hat: Funktionäre wie Schröcksnadel.
Armin.Gibis@ovb.net