München – Es raucht mal wieder beim TSV 1860 – und wie so oft liegen die Ursachen der Zündeleien im Nicht-Verhältnis des Vereins zu seinem Mitgesellschafter Hasan Ismaik. Nachdem ein Pressestellen-Mitarbeiter der Löwen nach dem Heimspiel gegen Aalen vor zwei Wochen ein Anti-Ismaik-Foto retuschiert hatte, witterten Teile der aktiven Fanszene Zensur. „Kritik am Investor akzeptieren statt die Kurve zu zensieren“, stand am Sonntag auf einem Transparent in der Westkurve zu lesen. Gefolgt von der Frage: „KGaA – wie oft wollt ihr euch noch blamieren?“
Geschädigt ist nun der gesamte Club. Denn die mehrminütige Pyromanen- und Rauchtopf-Show, die vor der zweiten Halbzeit des Rostock-Spiels folgte, dürfte vom DFB mit rund 20 000 Euro geahndet werden. Schließlich sind die 1860-Zündler keine Erst-, sondern Wiederholungstäter.
Wie die Löwen reagieren? Eine Stellungnahme im Namen aller Club-Verantwortlichen gab es gestern nicht. Dafür äußerte sich Vizepräsident Hans Sitzberger. Sein (gekürztes) Statement: Er müsse „an die Vernunft jedes einzelnen Fans appellieren. Ich bin entschieden gegen Pyrotechnik im Stadion! Jeder der Pyrotechnik zündet, gefährdet damit sich selbst und andere! Muss das sein? Ich finde nicht!“ Selbstredend auch aus finanziellen Gründen: „Wir haben ein sehr eng geschnürtes Budget für unsere Saison – das ist kein Geheimnis“, schreibt Sitzberger. „Wir achten auf jeden Cent und peinlich genau darauf, möglichst keine überflüssigen Ausgaben zu generieren. (…) Und auf einmal kommen da Strafzahlungen über viele tausend Euro daher, weil unsere Fans im Stadion Pyro gemacht haben (…) Wir haben es doch finanziell eh nicht leicht und müssen so hart für unseren Erfolg arbeiten – machen wir es uns doch wegen ein paar Raketen und Fackeln nicht selber noch schwerer!“
Das vorläufige Fazit des Vizepräsidenten: „Ein Löwe hat Stolz und vor allem hat er Ehrgefühl und deshalb möchte ich euch auffordern liebe Löwen: lasst die Pyro im Stadion bitte sein! Ihr würdet eurem Verein damit wirklich helfen.“
Ob der Appell fruchten wird? Heute will sich Finanz-Geschäftsführer Michael Scharold zum leidigen Thema äußern und Konsequenzen verkünden. Im Umfeld wird mit einer restriktiven Marschroute gerechnet. Die allgemeine Debatte wird so oder so weitergehen.
Zuletzt hatte HSV-Boss Bernd Hoffmann für Aufhorchen gesorgt, als er Pyrotechnik als Teil der Fankultur einordnete und einen „neuen Dialog mit allen Parteien“ anregte. „Die einfache Sanktionierung von Pyro-Vergehen hat bislang zu keinem besseren Umgang mit der Thematik geführt – ganz im Gegenteil“, sagte Hoffmann. Die DFL antwortete rasch – und wie erwartet ablehnend. „Pyrotechnik in den Stadien ist nach den DFL-Statuten verboten“, hieß es in einer Stellungnahme.