„Eine Schande“

von Redaktion

Die Videobeweis-Diskussion hat die Champions League erreicht – PSG empört

Paris – Der zum Zuschauen verdammte Superstar Neymar konnte nicht fassen, was sich in der Nachspielzeit auf dem Rasen des Prinzenparks abspielte. Beim Aus in der Champions League gegen Manchester United stand der 27-Jährige wie gelähmt an der Seitenlinie, anschließend schäumte er vor Wut.

„Das ist eine Schande“, schrieb Neymar auf Instagram – und fluchte über den nun auch in der Champions League eingeführten Videobeweis: „Da sitzen vier Leute, die keine Ahnung vom Fußball haben, und schauen sich eine Zeitlupe vor dem Fernseher an. Wie kann man ein Handspiel begehen, wenn der Rücken zugedreht ist?“ An das Ende seines Kommentars setzte der Brasilianer eine nicht jugendfreie Beschimpfung.

Neymar klagte über die Szene, die den PSG-Traum vom Gewinn der Champions League erneut platzen ließ: Nach einem Angriff von United blockte der mit dem Rücken zum Ball springende Presnel Kimpembe einen Schuss von Uniteds Diogo Dalot mit dem Arm. Schiedsrichter Damir Skomina aus Slowenien entschied zunächst auf Eckball, sah sich die Szene jedoch nach Rücksprache mit seinen Assistenten noch einmal an – und gab dann Elfmeter.

Für PSG-Trainer Thomas Tuchel, der nach dem Spiel erneut betonte, dass er ein großer Verfechter des Videobeweises sei, eine harte Entscheidung: „Eine Belohnung dafür zu bekommen, dass der Schuss aus 20, 22 Metern über die Latte geht – dafür Elfmeter geben, das ist wie … das ergibt keinen Sinn.“

Gerade in Bezug auf das Handspiel ist der Videobeweis auch in der Bundesliga aktuell großes Thema. „Das Handspiel ist für mich ein rotes Tuch, weil es so schwierig zu beurteilen ist“, sagte Trainer Bruno Labbadia vom VfL Wolfsburg zuletzt. Christian Streich, Labbadias Kollege vom SC Freiburg, träumte sich zurück in die Zeiten ohne Videobeweis: „Ich bin altmodisch und habe das Spiel lieber, wie es vorher war.“

Auch in Madrid und Porto gab es im Achtelfinal-Rückspiel der Königsklasse strittige Einsätze des Hilfsmittels. Als Roms Alessandro Florenzi Gegenspieler Fernando im Strafraum am Trikot gezogen hatte, zeigte Schiedsrichter Cüneyt Cakir (Türkei) nach Studium der Bilder auf den Punkt. Die Pfeife blieb jedoch stumm, als Portos Moussa Marega in der Nachspielzeit Patrik Schick im Strafraum in die Hacken lief – der Videoassistent sah in diesem Fall keine klare Fehlentscheidung.

In Madrid rettete Ajax-Verteidiger Noussair Mazraoui den Ball im Fallen mit der Fußspitze vor dem Seitenaus, anschließend traf Dusan Tadic zum 3:0. Die Real-Stars protestierten, doch Schiedsrichter Felix Brych (München) gab den Treffer, nachdem er sich die Szene in der Video-Zone angesehen hatte.  sid

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