München – Auf seinem Stammplatz in der ersten Reihe hat Edmund Stoiber am Donnerstagabend mal wieder mit den Basketballern des FC Bayern mitgefiebert. Er kommt oft in die Halle am Westpark, jubelt, klatscht, leidet mit. Neulich verbreitete sich ein Foto, auf dem er euphorisch feiert, mit einem Freudenschrei auf den Lippen. Am Donnerstag haben seine Bayern gegen Tel Aviv verloren. Das war ärgerlich, aber Stoiber, der leidenschaftliche Sportfan, wird es verkraftet haben – denn er durfte zuvor einen Deal verkünden, auf den er sehr lange hingearbeitet hat.
Seit Donnerstag steht fest, dass sich der FC Bayern und BMW – zwei bayerische Weltmarken – spätestens ab 2025 auf eine „strategische Partnerschaft“ geeinigt haben. Vorerst für zehn Jahre und insgesamt 800 Millionen Euro, wie das „Manager Magazin“ zuerst berichtete. Auf Anfrage unserer Zeitung sagte Stoiber nun, dass der Münchner Fußballverein und der Münchner Autobauer sich für die gleichen Märkte interessieren, China und die USA. „Zwar wird der Fußball europäisch dominiert, aber das große Wachstumspotenzial liegt in Asien und Amerika.“
Es ist kein Geheimnis, dass Stoiber, 77, der frühere bayerische Ministerpräsident, schon lange davon träumt, die beiden Weltmarken aus seiner Heimat zusammenzuführen. Er setzte sich schon dafür ein, als er unter dem Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß die Staatskanzlei leitete, später natürlich auch beim FC Bayern, erst im früheren Wirtschaftsbeirat, seit Januar 2010 im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG. Er musste aber bis 2018 warten, ehe die zwei Unternehmen eine Absichtserklärung unterschrieben. Die Partnerschaft, sagt Stoiber, „ist kein Schnellschuss, sondern schon seit einiger Zeit Grundlage der Gespräche zwischen BMW und Bayern München.“ Und er, der mächtige und gut vernetzte CSU-Politiker, half kräftig mit, dass die bayerischen Marken sich nun zusammen in den neuen, lukrativen Märkten ausbreiten. Er sagt: „Der FCB ist in China einer der populärsten Vereine und hat Millionen von Followern in den dortigen sozialen Medien. Und es werden täglich mehr.“ Es hilft den Bayern – und in Zukunft wohl auch BWM –, dass sie in China bereits Fußballschulen aufbauen und mit der Tsinghua-Universität in Peking kooperieren. „In Bayern dahoam, in der Welt zu Hause“, so haben sich die Bayern das im Einklang mit BWM vorgestellt.
In den vergangenen 40 Jahren war Stoibers Plan mehrfach gescheitert. Das lag an BMW, das mit dem Industriearbeitersport Fußball nie viel anfangen konnte und lieber in Tennis und Golf investierte – Sportarten, die deutlich besser zum Selbstverständnis der eigenen Nobelmarke passten. Das lag aber auch am FC Bayern, der sich erst mit Opel, später dann mit Audi, einem Mitglied des Volkswagen-Konzerns, verbrüderte. Der Vertrag mit Audi gilt übrigens noch bis 2025.
Allerdings hat das Verhältnis zwischen dem FC Bayern und dem VW-Konzern, der viele Fußballvereine und inzwischen auch die deutsche Nationalmannschaft sponsert, zuletzt gelitten. Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn verließ den Aufsichtsrat der FC Bayern AG im Zuge des Abgasskandals – damit ging auch ein Kumpel des Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß. Als der neue VW-Boss Herbert Diess im Dezember 2018 ins Aufsichtsgremium der Fußballer rückte, war die Absichtserklärung zwischen dem FC Bayern und BMW wohl schon unterschrieben.
Ab spätestens 2025 werden der FC Bayern und BMW also ihre Allianz offiziell einleiten. Nun deutet schon viel darauf hin, dass die Partnerschaft wesentlich früher beginnen könnte. Jetzt, da der neue Deal des FC Bayern nämlich der Öffentlichkeit bekannt ist, muss man sich in der VW-Zentrale in Wolfsburg fragen, warum man dem FC Bayern ziemlich viel Geld zahlen sollte, wenn in dem Zusammenhang fortan auch stets über den Rivalen BWM gesprochen wird?
Die Basketballer des FC Bayern nehmen BMW übrigens schon ab dem 1. Juli als Partner auf. Am Donnerstag aber besuchte Stoiber sie in ihrer Halle, auf der noch in großen Buchstaben Audi Dome steht.