München – Derrick Williams schlappte langsam durch den abgedunkelten Audi Dome, den Blick hatte der US-Profi der Basketballer des FC Bayern nachdenklich nach unten gerichtet. „Wir haben noch fünf Spiele“, sagte er, „Es ist noch nicht vorbei.“ Doch an der Art wie er das sagte, war abzulesen. Es war schon ein satter Tiefschlag, den Williams und Kollegen da kassiert hatten. Mit 70:77 hatten sie sich gegen Maccabi Tel Aviv geschlagen geben müssen. Und damit nicht nur die Chance verpasst, wieder in die Top 8 der Euroleague-Tabelle zu klettern. Abgesehen von Olimpia Mailand haben die Bayern nun auch gegen alle direkten Rivalen um die Playoff-Plätze den direkten Vergleich verloren. Im Zweifel müsste das Team von Trainer Dejan Radonjic nun also mindestens einen Sieg mehr holen als die direkten Rivalen.
Und Williams ahnte schon, dass die Münchner, die nun erst einmal das Bundesliga-Gastspiel bei den Senkrechtstartern von RASTA Vechta vor der Brust haben (Sonntag, 15 Uhr), dafür ihre Schlüsse aus dem Erlebten ziehen müssen. „Maccabi hat mit mehr Energie gespielt als wir“, sagte der Mann, der mit 17 Punkten einmal mehr der Münchner Topscorer war. Ins Gewicht gefallen ist das mal wieder vor allem am Korb. Alleine 14 offensive Abpraller gestand man den Gästen zu. Unter anderem auch jenen in der Schlussminute, den Michael Roll dann zum spielentscheidenden Dreier nutzte.
Es ist ein Problem, das sich durch die Saison der Münchner zieht. Dafür gibt es Erklärungen. Die langwierige Verletzung des amerikanischen Stamm-Centers Devin Booker zum Beispiel, der seit ein paar Tagen zumindest wieder mit dem Team trainiert. Der einzige verbleibende Center-Spezialist Leon Radosevic brachte es gegen Tel Aviv in elf Einsatzminuten auf vier Punkte und zwei Rebounds. Gut möglich, dass die Macher um Geschäftsführer Marko Pesic inzwischen schon überlegen, ob die Nachverpflichtung eines großen Spielers nicht doch hätte Sinn machen können. Bis zum Ende der Euroleague-Vorrunde Mitte Januar hätten die Bayern ihren Kader noch nachrüsten können.
Zumal die Münchner in Sachen Körpergröße ohnehin eines der kleinsten Teams der Königsklasse sind. Was Williams allerdings nicht wirklich als Entschuldigung gelten lassen will. „Bei den Rebounds geht es nicht nur um Größe, sondern um die Energie“, sagte er, „Und da müssen wir zulegen.“ Am besten schon am kommenden Donnerstag (19 Uhr), dann müssen die Bayern beim Tabellenzwölften Zalgiris Kaunas ran. Und da ist ein Sieg für die Münchner nun fast schon Pflicht.