Jeder kennt die Geschichte von Lance Armstrong, geboren 1971. Der Radfahrer, zuvor Triathlet, der 1996 an Hodenkrebs erkrankte und in dessen Lunge und Gehirn Metastasen gefunden wurden. Er wurde gesund, kehrte in den Sattel zurück und gewann von 1999 bis 2005 die Tour de France, teils nach epischen Duellen mit Jan Ullrich. 2008/09 sein Comeback. 50 Millionen Menschen kauften das Armband von Armstrongs Stiftung „Livestrong“.
Obwohl er in Europa zum sportlichen Ruhm fuhr – der Fall des Lance Armstrong war, so Buchautor Jürgen Kalwa, eine „rein amerikanische Angelegenheit“. 2004 hatte sich nach einigen Veröffentlichungen, die Zweifel an der Sauberkeit Armstrongs aufkommen ließen, der Spezialversicherer SCA Promotions geweigert, eine Prämie von fünf Millionen Dollar für einen neuerlichen Tour-Sieg auszuzahlen. Die Sache ging vor ein Schiedsgericht und endete zunächst in einer gütlichen Einigung. Armstrong hatte bei einer Befragung unter Eid in einer Anwaltskanzlei in Texas jegliche Dopingverstrickung abgestritten. 2013 legte er in der Talkshow von Oprah Winfrey eine umfassende Dopingbeichte ab, konnte für den Meineid von 2005 aber nicht belangt werden; der war verjährt.
Die Armstrong-Geschichte fügte sich nach und nach zusammen. Er hatte seit 1995 gedopt: mit Wachstumshormonen, EPO, Kortison, anabolen Steroiden, Testosteron. Und das 1996, als er die Krebsdiagnose erhielt, auch den Ärzten gesagt. Es waren viele Leute am Krankenbett, die das mithörten – wie Betsy Andreu, Ehefrau von Frankie Andreu, Armstrongs Freund und Teamgefährten.
EPO-Tests gab es zu Armstrongs Glanzzeit noch nicht, die Substanz ließ sich erst in Nachuntersuchungen feststellen, die Zeitung „L’Equipe“ entschlüsselte die Codierung der Proben und kam auf Armstrong.
In den Jahren 2010 und 11 wurde absehbar, dass für Armstrong nichts mehr zu retten sein würde. Seine ehemaligen Mitfahrer Tyler Hamilton und Floyd Landis, beide des Dopings überführt, packten in Büchern aus. Landis stellte sich gar – im US-Rechtssystem kann das lukrativ sein – als Whistleblower zur Verfügung und leitete den Schadenersatzprozess von US Postal gegen Armstrong ein. gük