Kranjska Gora – Ein guter zweiter Durchgang, Jubel vom Publikum, immerhin kurzzeitig die Führung: „Es hat sehr viel Spaß gemacht“, sagte Felix Neureuther. Tatsächlich lieferte ihm der Slalom in Kranjska Gora/Slowenien viele Argumente bei der Antwort auf die Frage, ob er seine Karriere fortsetzen soll. Konkret dazu äußern wollte sich Neureuther nach seinem soliden 11. Rang am Sonntag aber erneut nicht.
Bundestrainer Mathias Berthold geht freilich davon aus, dass der bald 35 Jahre alte Neureuther weitermacht. Es würde mich überraschen, wenn er zurücktritt. Ich glaube es nicht“, sagte er. Er tausche sich ständig mit Neureuther aus, „wir sind in Beratungen, wie wir die Dinge maximieren können, das ist unser Hauptgesprächsthema. Da ging es nicht um einen Rücktritt.“ Also?
Neureuther sagte nach einer bislang unglücklich verlaufenen Saison auch gestern, dass er nach dem Slalom am 17. März in Soldeu/Andorra, wo ab Mittwoch das Weltcup-Finale ausgetragen wird, überlegen werde, wie es weitergeht. Dabei deutete er abermals an, dass er gerne weiterfahren würde: Er sei „schon motiviert, denn Skifahren ist das, was ich fast mein ganzes Leben lang mache“, sagte Neureuther.
Es deutet einiges darauf hin, dass Neureuther nach einer durch gesundheitliche Probleme stark beeinträchtigten Saison weiterfährt. Berthold traut ihm zu, dass er auf das Podest und um Siege mitfahren kann, auch wenn der Rückstand groß ist im Moment. gestern lag Neureuther 2,08 Sekunden hinter dem Sieger Ramon Zenhäusern (Schweiz) gewann.
Nach dem vorzeitigen Gewinn des Riesenslalom- und des Slalom-Weltcups hatte sich Hirscher bereits am Samstag beim Sieg von Weltmeister Kristoffersen im Riesenslalom zum achten Mal den Gesamtweltcup gesichert. Er hat nun 20 Weltcup-Kristallkugeln – Rekord. „Sie sind ein sportlicher Teufelskerl“, richtete ihm danach Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen aus.
Für die deutsche Techniker-Mannschaft ist der Winter dagegen aus vielerlei Gründen unbefriedigend verlaufen, daher besteht nicht nur bei Neureuther Gesprächsbedarf. „Wir müssen härter werden im Ton, härter werden im Training, wir werden keine Kompromisse mehr eingehen“, sagte Berthold und betonte: „Wir haben versucht, es jedem recht zu machen, aber es geht nicht, dass jeder sich in seiner Wohlfühloase bewegen kann.“
Das dürfte auch für Neureuther gelten, der aufgrund seines „brutalen Trainingsrückstands“, wie Berthold entschuldigte, keine Chance habe, mit den „absoluten Topleuten mitzufahren“. Dennoch belegt Neureuther im Slalom-Weltcup Rang 14 und ist damit der einzige deutsche Techniker, der neben Alexander Schmid (Fischen), am Samstag 15. im Riesenslalom, für das finale Saisonrennen der besten 25 qualifiziert ist. sid