Oslo – Weltmeister Markus Eisenbichler deutlich zurück, Pechvogel Stephan Leyhe nach seiner Bruchlandung gar nicht erst am Start: Die DSV-Adler sind nach den Skisprung-Festtagen der WM gerupft worden. Beim Auftakt der Raw-Air-Tour in Oslo war Eisenbichler als Zehnter noch der beste im deutschen Team, für das zuvor schon im Mannschaftswettkampf mit Platz fünf und Leyhes Sturz viel schiefgelaufen war. Gestern erwischte es auch noch Ramona Straub. Die 25-Jährige aus Baiersbronn, die nach dem ersten Durchgang noch auf Platz zwei gelegen hatte, stürzte im zweiten Durchgang bei der Landung und klagte später über starke Schmerzen im Knie. Positiv war immerhin die sportliche Bilanz der deutschen Frauen: Juliane Seyfarth (2. Platz) und Katharina Althaus (3.) flogen aufs Podest.
„Es ist schon ein bisschen unglücklich gelaufen“, sagte Bundestrainer Werner Schuster: „Wir haben in Stephan einen wichtigen Mann verloren. Markus und Karl Geiger haben erkennen müssen, dass man hier ganz anders springen muss als in Innsbruck.“ Eisenbichler hatte nach Pech mit den Bedingungen im ersten Durchgang nur auf Rang 21 gelegen, machte im zweiten Versuch noch einige Plätze gut und schafft es letztlich mit 237,8 Punkten (120,0+132,5 m) in die Top 10. „Ich bin trotzdem nicht traurig. Besser nur ein guter Sprung als gar kein guter Sprung“, erklärte Eisenbichler. Sieger Robert Johansson (Norwegen) setzte sich mit 262,0 Punkten (127,0+133,0 m) vor dem Österreicher Stefan Kraft (258,3) und Peter Prevc aus Slowenien (252,8) durch. Ryoyu Kobayashi sicherte sich mit Platz fünf als erster Japaner den Sieg im Gesamtweltcup. In der Raw-Air-Gesamtwertung liegt Johansson vorne. Vizeweltmeister Geiger blieb als 17. hinter den Erwartungen zurück, Constantin Schmid kam auf Platz 21. Der formschwache Andreas Wellinger schied als 34. im ersten Durchgang aus.
Leyhe hatte sich bei seinem Sturz im Teamwettbewerb, der nach dem ersten Durchgang abgebrochen wurde, Blessuren im Gesicht und am Sprunggelenk zugezogen. Ob der Willinger heute in der Qualifikation zum nächsten Springen in Lillehammer antreten kann, ist offen. Der Sieger der Serie erhält 60 000 der insgesamt 100 000 Euro Prämie.
Schuster haderte nach dem Teamspringen unter fast schon gemeingefährlichen Bedingungen mit Platz fünf. „Das ist echt bitter“, sagte er. Der Ärger über eine verpasste Siegchance rückte angesichts von Leyhes Sturz in den Hintergrund, auch wenn der Bundestrainer festhalten wollte: „Wir hätten heute gewinnen können.“ Der Sieg ging an Norwegen. Norwegens Schlussspringer Johansson sprang auf 144,0 m, verbesserte den Schanzenrekord um drei Meter, sprang aber dabei in einen eigentlich nicht mehr zu kontrollierenden Bereich. Schon zuvor hatte es einige heikle Szenen gegeben, Geiger hatte einen Sturz knapp vermieden, als ihn eine Windböe erwischte. dpa/sid