Eine Scheidung ist mitunter eine hochkomplizierte Angelegenheit. Das gilt ganz besonders auch für das Geschäftsleben. So löste die Ankündigung, der FC Bayern werde seinen Autosponsor wechseln, sich also von Audi verabschieden und sich mit BMW verbinden, einiges Erstaunen aus. Ist der Fußball-Rekordmeister immerhin noch bis Juli 2025 vertraglich mit den Ingolstädter Autobauern liiert. Dass die von den Roten angestrebte Kooperation mit dem oberbayerischen Konkurrenten in der Audi-Führungsetage nicht gerade euphorisch aufgenommen wurde, liegt auf der Hand. Nun hat Audi-Vorstandschef Bram Schot (siehe Foto) verlauten lassen: „Wir werden den Vertrag bis 2025 aussitzen.“
Allein schon in dem Wort „aussitzen“ offenbart die bislang noch nicht öffentlich gewordene Verstimmung des aktuellen Sponsors. Und man kann da sogar eine leise Drohung bzw. Kampfansage heraushören: Einen Vertrag auszusitzen, bedeutet ja, ihn eher widerwillig (und bar jeder Begeisterung) zu erfüllen. Noch schlimmer für die Bayern wäre aber, noch bis 2025 auf die Sponsoren-Ehe mit BMW warten zu müssen. Sechs Jahre sind bekanntlich eine lange Zeit. Und die Münchner hegen ja stark die Hoffnung, Audi werde der vorzeitigen Trennung zustimmen. Schließlich war die frühzeitige Ankündigung, BMW sei – in partnerschaftlicher Hinsicht – die Zukunft des FC Bayern, schon ein sehr schmerzhafter Affront.
Schots Retourkutsche ist vor diesem Hintergrund wohl nicht anders als Beginn eines Pokers anzusehen. Das wird auch von Münchner Seite so interpretiert. Dass Audi, das mit 8,3 Prozent an der FC Bayern München AG beteiligt ist, tatsächlich bis 2025 an dem Vertrag mit den Münchnern festhält, ist schwer vorstellbar. Die Bayern – so ist von Insidern zu hören – würden sich am liebsten schon für die Saison 2020/21 mit BMW zusammenschließen. Immerhin steht eine (von Präsident Uli Hoeneß allerdings bereits dementierte) Summe von 800 Millionen Euro für ein Jahrzehnt im Raum. Für den Poker, auf den sich die Münchner und BMW nun gefasst machen, ergibt sich für Audi allerhand Spielraum. Und man darf darauf gespannt sein, wie hoch der Einsatz des FC Bayern sein wird. ARMIN GIBIS