Vor drei Wochen verkündete Melanie Behringer ihr Karriereende. Nach mehreren Operationen am Knie absolviert die Mittelfeldspielerin des FC Bayern derzeit ein intensives Reha-Training. „Das Ziel ist, dass ich alltagstauglich werde“, sagt die 33-Jährige. Im Interview spricht die Fußball-Weltmeisterin und Olympiasiegerin über ihren Rücktritt, die aktuellen Titel-Chancen der Bayern-Frauen und einen möglichen letzten Einsatz auf dem Platz.
Melanie Behringer, wie geht es Ihrem Knie?
Eigentlich ganz gut. Ich kann jetzt zweimal am Tag trainieren und darf seit Dienstag auch wieder draußen laufen. Ich bin auf einem guten Weg.
Es ist jetzt drei Wochen her, seit Sie Ihr Karriereende verkündet haben. Wie fühlt es sich jetzt an?
Irgendwie komisch, weil ich nie mehr auf diesem Niveau spielen werde aber irgendwie auch schön, weil dann ein neuer Lebensabschnitt beginnen kann. Ich konnte mich jetzt schon länger an den Gedanken gewöhnen. Aber als die Nachricht von meinem Karriereende veröffentlicht wurde, war es schon seltsam. Vorher hatte ich noch die kleine Hoffnung, dass es vielleicht doch nochmal klappt. Aber dann war es fix, wirklich vorbei.
Sie wurden 2007 Weltmeisterin, zweimal Europameisterin, gewannen Gold und Bronze bei den Olympischen Spiele und mit dem FC Bayern zwei Meisterschaften. Mit Ihrer Karriere können Sie zufrieden sein, oder?
Ja, total. Deshalb ist der Abschied auch nicht ganz so tragisch, weil ich sehr viel erreicht habe.
Nur der Champions-League-Titel fehlt…
Ja, da müsste ich eigentlich auflaufen (lacht) sollten wir es wirklich bis ins Finale schaffen.
Könnte es am Ende der Saison vielleicht noch zu einem Kurzeinsatz reichen?
Vielleicht, ja. Wenn das Ergebnis stimmt und nichts mehr passieren kann, könnte man darüber reden. Ich sollte dann aber besser so weit weg wie möglich vom eigenen Tor stehen (lacht).
Könnten Sie sich auch ohne Einsatz als Champions-League-Siegerin fühlen, sollte die Mannschaft den Titel gewinnen?
Stand jetzt würde sich das sehr komisch anfühlen. Aber schlussendlich wäre ich irgendwie doch dabei. Aber das ist noch ein langer Weg. Wir müssen jetzt erstmal schauen, dass wir gegen Slavia Prag im Viertelfinale weiterkommen. Das wird sicher nicht einfach, aber ich glaube an die Mädels. Die Chance ist in diesem Jahr richtig groß.
Zunächst mal steht am Sonntag das Spiel gegen den Tabellendritten Turbine Potsdam (14 Uhr, Bayern-Campus/Anm. d. Red) an. Was trauen Sie der Mannschaft zu?
Viel! Wir spielen hier im Campus, da fühlen sich die Mädels richtig wohl. Wir haben das letzte Spiel hier gegen Tabellenführer Wolfsburg gewonnen. Das war sehr wichtig für uns, daran wollen wir anknüpfen. Unter der Woche hat die Mannschaft im Pokal Frankfurt besiegt und kommt jetzt sicherlich mit viel Selbstvertrauen zurück.
Sie spielen seit 2003 in der Bundesliga. Wie hat sich die Liga seitdem entwickelt?
Ich habe in Freiburg angefangen, damals haben alle Spielerinnen noch gearbeitet, niemand war Profi. Und jetzt hier bei Bayern sind alle Profis, genauso wie in Wolfsburg oder Potsdam. Das hat sich sehr positiv entwickelt, auch die Geschwindigkeit, taktisches Verhalten, die Technik der Spielerinnen. Insgesamt ist alles viel athletischer geworden. Das ist schon ein riesen Unterschied zu damals.
Sie haben ein abgeschlossenes Studium als Sportfachwirtin. Sehen Sie Ihre Zukunft auf dem Platz oder eher im Büro?
Ich könnte mir sehr gut vorstellen, als Trainerin auf dem Platz zu stehen. Aber ich bin noch offen, es kann in beide Richtungen gehen. Aber im Fußball würde ich gerne bleiben.
Interview: Christian Stüwe