Melbourne – War alles bloß ein großer Bluff von Lewis Hamilton und den Silberpfeilen? Sebastian Vettel schürzte die Lippen unter seinem ziemlich ungewöhnlichen Schnäuzer. „Keiner versteht so richtig, was Mercedes bei den Testfahrten gemacht hat“, sagte der Ferrari-Pilot nach dem Auftakt zum Großen Preis von Australien. „Hier sind sie auf jeden Fall viel schneller, als sie uns zuletzt glauben lassen wollten.“
Und viel schneller als die Konkurrenz. Im freien Training am Freitag drehte Weltmeister Hamilton die beste Runde des Tages, in 1:22,600 Minuten verwies er seinen Teamkollegen Valtteri Bottas um 48 Tausendstel auf den 2. Rang. Und danach kam erst mal lange nichts.
So stark Ferrari in der Saisonvorbereitung gewirkt hatte, so ernüchternd geriet der Auftakt im Albert Park von Melbourne. Vettel reihte sich als Fünfter noch hinter dem Red-Bull-Duo Max Verstappen und Pierre Gasly ein, der Abstand auf die Spitze betrug fast eine Sekunde. Vettels hoch eingeschätzter Teamkollege Charles Leclerc blieb bei seinem Debüt für die Scuderia als Neunter völlig unter den Erwartungen.
Für Vettel war es vor allem ein Problem des Set-ups auf dem buckligen Kurs. „Wir waren nicht so schnell, wie wir wollten“, sagte Vettel. „Es fehlte Vertrauen in das Auto, es fühlt sich nicht so an, wie es sollte, es tut nicht das, was ich will. Wir werden das auswerten, ich weiß, dass unser Auto viel mehr kann.“
Und Mercedes? Vor allem in der ersten Woche der Wintertests hatten die Weltmeister Rätsel aufgegeben. Dem schwachen Start folgte ein ungewöhnlich umfangreiches Updatepaket zur zweiten Testwoche, damit ging es zwar langsam bergauf – vor dem Saisonstart am Sonntag (6.10 Uhr/RTL und Sky) scheint Mercedes nun aber schon wieder den Gipfel erklommen zu haben.
Ebenfalls eindrucksvoll geriet der Auftritt von Vettels Ex-Teamkollegen Kimi Räikkönen, der bei Ferrari zu dieser Saison durch Leclerc ersetzt worden ist. Der Finne gab als Sechster einen sehr guten Einstand für Alfa Romeo. Nico Hülkenberg entschied das erste Teamduell mit dem neuen Kollegen Daniel Ricciardo bei Renault für sich, das Duo landete auf den Plätzen sieben und acht.
Vettel hofft indes auf den altbekannten Leistungssprung, den Ferrari in der vergangenen Saison häufig nach dem Freitagstraining gemacht hatte. Nach der ersten Ausfahrt des Jahres werde dann niemand mehr fragen. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich beim Saisonfinale im Dezember niemand an diesen 15. März erinnern wird“, sagte er. sid