München – Es gibt in diesen Tagen viel zu klären, nicht nur in München. Im UEFA-Hauptquartier in Nyon wurden am Freitagmittag die Viertelfinal-Paarungen in der Champions League ausgelost, eine halbe Stunde später stand in Frankfurt die sehnlichst erwartete Pressekonferenz mit Joachim Löw an. Dass der FC Bayern den obligatorischen Medientermin mit Niko Kovac für Freitag zunächst auf 13.30 Uhr ansetzte und wenig später auf 11.00 Uhr vorzog, sah aus, als wäre man ursprünglich von anderen Voraussetzungen ausgegangen. Als wolle der Bayern-Trainer zu einem Zeitpunkt sprechen, an dem er auf beide Veranstaltungen hätte eingehen können.
Es ist dann alles ganz anders gekommen, und als Kovac schließlich das Podium betrat, tat er es nicht als Trainer eines Viertelfinalisten mit Ambitionen auf mehr. Sondern als ein Mann, der ein schmerzliches Aus und weitere Erschütterungen zu moderieren hatte. Kovac wirkte gefasst und gut vorbereitet. Die wunden Punkte waren ja auch hinreichend bekannt.
Als Bayern-Trainer weiß man, wann der Erklärungsbedarf besonders hoch ist. Ein 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf ist eine grenzwertige Erfahrung, aber nichts im Vergleich zu einem 1:3 gegen Liverpool. Meister kann man in München immer werden, womöglich auch sieben Mal am Stück, aber die Königsklasse ist eine andere Hausnummer. Nicht nur das Aus als solches hat die Bayern aufgewühlt, sondern auch die Umstände. Die weitgehende Chancenlosigkeit im Rückspiel. Die vorsichtige Herangehensweise. Und die Reaktion aus der Mannschaft.
Auch Niko Kovac hat am späten Mittwochabend mitgekriegt, dass Aussagen von Mats Hummels („Uns hat der Mut gefehlt“) oder Robert Lewandowski („Wir hatten keine Argumente“) ins Grundsätzliche gingen und den Kern des Bayern-Spiels betrafen. Dabei sei „die Herangehensweise dieselbe wie in Mönchengladbach und gegen Wolfsburg“ gewesen, als man elf Tore erzielte. Kovac dozierte über die „Anlaufhöhe“, die in Liga und League identisch gewesen sei, über 60 Prozent Ballbesitz und die Tatsache, dass bis kurz vor der 70. Minute alles drin gewesen sei. Aber letztlich habe „Liverpool noch mal eine andere Qualität. Ich kann nur so spielen, wir mir der Gegner das erlaubt.“
Die 20 plus x Minuten nach dem 1:2, als die Bayern verzweifelt die Räume öffneten und die Umschalt-Großmeister von der Insel genüsslich hineinstießen, sind für Kovac der Beleg, dass allein mit heißem Herzen dieses Rückspiel nicht hätte gewonnen werden können. Andererseits hat es in der Champions League auch gegen hochkarätige Teams schon Abende gegeben, wo Wille und Offensivfreude der Gastgeber für eine Art von Magie sorgten, die man nur zu besonderen Gelegenheiten erlebt. In dieser Hinsicht war der Mittwoch dann doch eher gewöhnlich.
Es dürfte noch ein Weilchen dauern, ehe das ganze Ausmaß der Erschütterungen und die langfristigen Folgen absehbar sind. Kovac ist bemüht, die Wogen zu glätten, soweit es in seinem Einflussbereich liegt. Er legt Wert auf die Feststellung, dass er weder Hummels noch Lewandowski ihre Aussagen verübelt und fühlt sich von ihnen nicht persönlich angegriffen: „Da war nichts Negatives.“ Aber explosiv wird die Gemengelage noch ein Weilchen bleiben.
Ein schnelles Umschaltspiel von Champions League auf Bundesliga würde helfen. Die Partie am Sonntag gegen Mainz war am Freitag noch Nebensache, erst ganz am Ende der Fragerunde sprach ein Mitarbeiter der Bayern-Medienabteilung das Thema an. Der Einsatz David Alabas, den seine Sehnenreizung im Fuß weiter behindert, ist fraglich. Aber ohnehin dürften die Offensivkräfte stärker im Mittelpunkt stehen, mehr als am Mittwoch. Mainz’ Gegenwehr, fordert Kovac, „müssen wir brechen“. Kurze Pause. „Egal mit welchen Mitteln.“