Eines ist schon mal klar: Mit Lewis Hamilton geht es in diesem Jahr steil abwärts, aus höchsten Höhen wird er stürzen und ganz unten landen. Ganz sicher.
Für Sebastian Vettel weniger erfreulich an dieser Prognose: sie betrifft – vorerst – nur die Freizeit seines britischen Rivalen der Rennbahn. Der amtierende Formel-1- Weltmeister Hamilton hat in der Winterpause den Fallschirmschein gemacht, er hüpft jetzt zum Spaß aus Flugzeugen – die Raserei auf Rädern allein scheint die Nerven des Mannes mit den fünf WM-Titeln nicht mehr ausreichend zu kitzeln.
Doch aufgepasst, Flying Lewis! Da weht plötzliches ein neuer gefährlicher Wind, und er bläst aus Italien. Zumindest in den Testfahrten sah es ganz danach aus, dass Ferrari-Pilot Vettel in dieser Saison endlich den Superman im Silberpfeil überholen könnte. Auch wenn am Freitag die Trainingsfahrten in Melbourne – zur allgemeinen Überraschung – die Ferrari-Hoffnungen dämpften, scheint der neue Dienstwagen des Hessen namens SF90 die Substanz zu haben, dem britischen Seriensieger mehr als gefährlich zu werden. Die Roten haben, wie die Testfahrten im Winter offenbarten, ein famoses Auto hinbekommen. Vettel und ganz Italien dürfen zumindest davon träumen, dass es heuer etwas werden könnte mit dem Ende der quälend langen Durststrecke, mit dem ersten Titeltriumph eines Ferrari-Piloten seit 2007.
Es ist das fünfte Jahr von Sebastian Vettel bei den Roten. Im fünften Jahr schaffte auch Michael Schumacher anno 2000 erstmals mit der Scuderia das ganz Große – der Beginn der fantastischen Erfolgs-Ära mit fünf Krönungen des Kerpeners in Serie. Als Vettel 2015 von Red Bull zu Ferrari kam, sprach er davon, in die großen Fußstapfen seines Vorbilds treten zu wollen. Jetzt scheint sich ihm endlich die große Chance dazu zu bieten. Auch wenn Mercedes bekannt dafür ist, immer wieder zulegen zu können (das Freitagstraining in Melbourne lieferte dafür bereits starke Indizien). Dennoch: Mit dem roten Star-Fighter Sebastian könnte es in dieser Saison ganz hoch hinausgehen – auch ohne Fallschirm-Lizenz.
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