Felix Neureuther ist einzigartig. Nicht, weil er einen Rekord nach dem anderen gebrochen hat wie die Ski-Arbeiter Marcel Hirscher und Mikaela Shiffrin, sondern, weil er als alpines Gesamtkunstwerk funktioniert. Wenige haben ein solches Gespür für Schnee und noch viel weniger schaffen es, die Menschen mit ihrer Art so zu begeistern wie Felix Neureuther.
Im Geiste ist der Slalom-Artist trotz seiner 34 immer noch jung, doch an seinem Körper nagt die Zeit. Deswegen muss man seinen Rücktritt akzeptieren, auch wenn man es sich vielleicht anders gewünscht hätte. Dass er seine Karriere ohne WM-Titel und Olympiamedaille beendet hat – geschenkt. Mit Neureuther konnte man 16 Jahre lange mitfiebern, gleichgültig war er einem nie.
Neureuther war meinungsstark und authentisch. Und im Gegensatz zur US-Amerikanerin Lindsey Vonn, die ebenfalls ihre Karriere beendete und bei der viele Dinge gespielt und gewollt wirkten, trug sich bei Neureuther vieles so zu, wie es zu hören war. Mama Rosi wusch zum Beispiel die Unterhosen von Ted Ligety und Aksel Lund Svindal saß zum Essen mit der Familie am Tisch. Selbst für Hirscher, lange sein größter Konkurrent, hatte er ein offenes Ohr und vermittelte ihm seinen eigenen Osteopathen. Der Österreicher bezeichnete ihn am Wochenende als „einen beeindruckend feinen Kerl“. Dem ist nichts hinzuzufügen.