Plötzlich spricht Dortmund vom Titel

von Redaktion

Nach dem dramatischen Sieg in Berlin wähnt sich der BVB wieder im Aufwind

VON JENS MENDE UND VALENTIN HOENE

Berlin – Lucien Favre bekam das Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht. Und Matchwinner Marco Reus übermittelte eine deutliche Botschaft an den FC Bayern. „Mit dieser Moral wird es schwer, uns aufzuhalten“, erklärte der Nationalspieler zum Duell um den Titel: „Es tut unheimlich gut, dass der Glaube und die Kraft wiederkommen, bis zum Ende so zu gehen“, schloss der Last-Minute-Siegtorschütze nach einem spektakulären Auf und Ab in Berlin an.

Auch Bundestrainer Joachim Löw sowie seine Vorgänger Jürgen Klinsmann und Berti Vogts auf der Tribüne durften sich beim 3:2 (1:2) des BVB gut unterhalten fühlen. Vor allem sahen die Zuschauer zwei Teams, die gegen die oft kritisierte Tendenz in der Bundesliga enormes Tempo und den permanenten Willen zum Offensivspiel demonstrierten.

„Das Spiel war verrückt“, sagte BVB-Coach Favre. Zweimal waren die Gastgeber am 43. Geburtstag von Chefcoach Pal Dardai in Führung gegangen, zweimal glich die Borussia aus. Dazu gab es zwei heiß diskutierte Elfmeterszenen und zwei Platzverweise für die Berliner Jordan Torunarigha (Gelb-Rot) und Vedad Ibisevic (Rot).

Am Ende stand der erste BVB-Ligasieg in Berlin seit fast fünf Jahren. „Verdient, weil wir mehr Chancen hatten“, befand Favre. Sportdirektor Michael Zorc hofft auf eine „Dynamik, die entstehen kann“, und betonte: „Wir gehen jetzt ins letzte Drittel der Saison und werden alles versuchen, um deutscher Meister zu werden.“

Reus (29), der gemeinsam mit seinen jungen Angriffskollegen Jadon Sancho (18), Christian Pulisic (20) und Jacob Bruun Larsen (20) die Hertha vor allem in Halbzeit zwei immer wieder in Verlegenheit stürzte, sah noch nicht alles wieder rosarot. „Wir wissen, dass es momentan nicht so leichtfüßig geht wie in der Hinrunde. Wir erarbeiten uns die Torchancen sehr hart und verlieren dadurch etwas Kraft, so dass es im letzten Drittel hapert.“

Aber Reus betonte auch, gerade so ein Sieg in der Nachspielzeit sorge für Selbstvertrauen bei der Titelmission, die Spieler und Offizielle inzwischen offen vertreten. „Es zeigt, dass wir Mentalität und Charakter haben, darauf können wir aufbauen.“ Auch ohne Leitwolf Axel Witsel sowie die ebenfalls verletzten Mario Götze und Paco Alcácer stemmte sich die junge Elf mit einem Altersdurchschnitt von 22,9 Jahren gegen den Punktverlust.

Bitter für die nun im Mittelfeld feststeckende Hertha (35 Punkte): Erst in der hektischen Schlussphase, als Torunarigha Gelb-Rot sah, nutzte der BVB die Unordnung. „Das waren sehr wilde letzte zehn Minuten. Jeder wusste, dass sich Dortmund noch die Tabellenführung zurückholen wollte. Dafür muss man kein Sportwissenschaftler sein“, ärgerte sich Berlins Verteidiger Valentino Lazaro. Am Ende flog Ibisevic noch vom Platz, nachdem er den Ball BVB-Keeper Roman Bürki an den Kopf geworfen hatte.

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