München – Am Sonntagabend waren 5810 Zuschauer in die Olympia-Eishalle gekommen, um die Antwort des EHC München zu sehen. Auf die Pleite in Berlin am Freitag, die doch erstaunlich deutlich ausgefallen war (0:4). Auf das sich verfestigende Gefühl, das dieses Playoff-Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen die Eisbären Berlin dem Meister aus München sehr viel mehr zusetzt, als er sich das vorher gewünscht hatte.
Auf den ersten Teil der Antwort mussten sie nur fünf Minuten und neun Sekunden warten. Das dürfte die erfolgsverwöhnten Fans nicht überrascht haben – wer die Antwort geliefert hatte, vermutlich aber schon. Es war nämlich der kanadische Verteidiger Keith Aulie, der eigentlich für seine (manchmal übertrieben) harten Checks gefeiert wird. Am Sonntag aber hämmerte Aulie den Puck das erste Mal ins Berliner Tor – und gab jene schnelle Antwort, die seine Mannschaft herbeigesehnt hatte. Auf Aulies erste Antwort folgten noch drei weitere, weshalb der EHC die Eisbären 4:1 (1:0, 2:1, 1:0) besiegte und in der „Best of Seven“-Serie nun 2:1 führt.
Es hat München jedoch erneut viel Kraft gekostet, Berlin in den Griff zu bekommen. Schon im ersten Duell der Serie (3:2) hatte der Meister dazu die Verlängerung in Anspruch nehmen müssen. „Sie sind schnell, immer gefährlich“, sagte der Münchner Stürmer Yasin Ehliz nun zu „Magentasport“. „Berlin kann aus dem Nichts Tore schießen.“ Diese Fähigkeit führte im dritten Spiel der Serie allerdings der EHC vor. Zunächst legte Ehliz eben auf Aulie ab, der etwas Glück hatte, weil er den Puck an Torhüter Kevin Poulin und Verteidiger Daniel Richmond vorbeimogelte. Im zweiten Drittel war es Ehliz selbst, der in Münchner Unterzahl den Eisbären entwischte und Poulin überwand (24.).
„Das darf uns nicht passieren“, sagte Florian Ketter, der im vergangenen Sommer von München nach Berlin gewechselt war. Seine Mannschaft habe gewusst, dass der EHC „voll kommen wird“. Weil die Eisbären sich aber zu viele Strafzeiten leisteten (insgesamt 24), brachen sie unter dem Druck irgendwann ein. In Überzahl nutzte Patrick Hager einen Abpraller zum 3:0 (31.). Wie angespannt die Lage gerade ist, zeigte sich beim Jubel. Hager rutschte übers Eis, ballte die Faust. Die Erleichterung war ihm anzusehen.
Eine gewisse Anspannung, das offenbarte sich in den Minuten nach dem 3:0, muss der EHC aber in den kommenden Spielen der Serie beibehalten. Sean Backman, der US-Stürmer der Eisbären, streckte in einem Moment Münchner Unachtsamkeit den Schläger so geschickt zum Puck, dass dieser – ebenfalls mit etwas Glück – im Tor landete (34.). 1:3, aus dem Nichts. Womöglich machte sich da auch bemerkbar, dass Yannic Seidenberg fehlte. Der DEL-Disziplinarausschuss hatte den EHC-Verteidiger nach seinem Bandencheck am Freitag für eine Partie gesperrt. Ohne ihn wäre es fast noch einmal knapp geworden. Die Schiedsrichter hätten Berlin wohl einen Penalty zusprechen können. So aber erzielte Nationalspieler Frank Mauer das 4:1 – und entschied das Spiel.
Der EHC liegt in der Serie nun wieder vorne, doch die Eisbären haben ihre Chance längst gewittert. Zwei Sekunden vor Spielende prügelten sich am Sonntag der Münchner Ryan Button und der Berliner Mark Oliver. Am Freitag geht die Serie in Berlin in die nächste Runde. Es wird noch ein harter Kampf.