Hamburg/Mannheim – Die Zahlen des Grauens hatte Andy Schmid natürlich parat. Und so schnappte sich der Kapitän der Rhein-Neckar Löwen kurzerhand das Hallen-Mikrofon. „Wir brauchen euch alle am Mittwoch“, rief Schmid den Fans entgegen.
Der Schulterschluss mit dem eigenen Anhang ist den Löwen vor dem so wichtigen Hinspiel im Achtelfinale der Champions League gegen den Vorjahresfinalisten HBC Nantes am Mittwoch (19 Uhr/Sky) ganz offensichtlich ein großes Bedürfnis. Zusammen mit den Fans wolle man „den Grundstein legen fürs Viertelfinale. Schon oft sind wir im Achtelfinale ausgeschieden“, sagte Schmid. Wohl wahr. Vier Mal schaffte es die Mannschaft des dänischen Weltmeistertrainers Nikolaj Jacobsen in den vergangenen vier Jahren ins Achtelfinale – vier Mal scheiterte sie dort. Das soll diesmal mit allen Kräften verhindert werden. Die Badener wissen: Das Vorgeplänkel mit 14 Spielen in der Kaugummi-Vorrunde ist vorbei, jetzt wird’s ernst. Die Löwen, in vier Jahren unter Jacobsen zur neuen Macht im deutschen Handball aufgestiegen, sind unter Zugzwang.
Zu gern wollen sie ihren Coach, der sich nach der Saison voll auf seine Aufgabe als dänischer Nationaltrainer konzentrieren wird, mit einem Titel verabschieden. Und da das in Meisterschaft (8 Minuspunkte Rückstand auf Flensburg) und Pokal (Aus im Viertelfinale gegen Berlin) kaum noch möglich ist, dürfte die Königsklasse die letzte Option sein.
Ein Stück weit geht es für die Löwen wie auch für den deutschen Meister SG Flensburg-Handewitt, der erst am Samstag einsteigt, um die Ehre des deutschen Club-Handballs auf internationalem Terrain. Nach zwei Jahren ohne Teilnehmer am prestigeträchtigen und finanziell so lukrativen Finalturnier in Köln wird es für die Bundesliga, die sich gern mit dem Slogan „beste Liga der Welt“ schmückt, langsam wieder Zeit. Der letzte deutsche Triumph (Flensburg) liegt inzwischen fünf Jahre zurück.
Im EHF-Ranking, das dank der Dominanz von Vereinen wie dem THW Kiel, dem HSV Hamburg oder Flensburg viele Jahre lang angeführt wurde, lag Deutschland schon zu Beginn der aktuellen Saison nur noch auf dem zweiten Platz hinter Frankreich. Ein erneutes frühes Scheitern würde den Abwärtstrend fortsetzen. sid