Der Streit geht weiter

von Redaktion

TSV 1860 Reisinger kontert Stimoniaris’ Wahlkampf-Aussagen mit einem Schreiben

VON LUDWIG KRAMMER

München – Rein sportlich hat sich die Lage beim TSV 1860 beruhigt, die Löwen verkörpern bei jeweils neun Punkten Abstand zur Auf- und Abstiegszone das halbwegs sichere Mittelfeld in der Dritten Liga. Blaue Langeweile muss der geneigte Beobachter trotzdem nicht befürchten. Denn Sechzig wäre nicht Sechzig, wenn die Unruhe nicht an anderer Stelle aufflammen würde: im verminten Grenzgebiet zwischen den beiden Gesellschaftern der Profifußball-GmbH.

Wie zwei Käfigkämpfer stehen sich Robert Reisinger und sein Herausforderer Saki Stimoniaris gegenüber. Doch während der Ismaik-Sprecher die Muskeln spielen lässt und den e.V.- Präsidenten jüngst wiederholt als ideologiegetriebenen Blockierer hinstellte, hielt sich Reisinger zurück.

Bis gestern. Als Reaktion auf Stimoniaris’ Wahlkampf-Aussagen, wonach Reisingers Konsolidierungskurs die Löwen geradewegs an die Wand führe, veröffentlichte das Präsidium vier Wochen nach der letzten Aufsichtsratssitzung ein Statement auf der Vereinshomepage tsv1860.org, das die Debatten nicht eindämmen wird. „Perspektive der Profifußball-Tocher für die kommenden drei Jahre“ heißt es in der Überschrift. Es folgt eine Zusammenfassung der Strategie- und Etatberatungen in besagter Sitzung. So seien den Gesellschaftern von Geschäftsführer Michael Scharold unter anderem vier Entwicklungsmodelle für die nähere Zukunft vorgestellt worden.

Erstens: Eigenfinanzierung ohne Fremdmittel. Zweitens: Eigenfinanzierung und Entlastung der Profi-GmbH durch eine temporäre Rücknahme des NLZ, der U 21 und der U 19. Drittens: Fremdfinanzierung durch Genussschein-Darlehen (zwei Millionen Euro, sofort zu überweisen). Und viertens: Das Ganze in unbegrenzter Höhe.

Laut dem von Reisinger und seinen Vizepräsidenten unterzeichneten Schreiben hätte der e.V. Modell Nummer zwei favorisiert, Ismaiks Vertreter hätten „ohne nähere inhaltliche Begründung“ abgelehnt. Da auch über eine Fremdfinanzierung kein Konsens erzielt wurde, plane die Geschäftsführung „bis auf Weiteres“ mit Konsolidierungs-Szenario eins.

Warum man Ismaik nicht traut, wird mit der teilweisen Nicht-Umwandlung von Darlehen zum 31.12. 2018 begründet, die der DFB mit einem Bußgeld geahndet habe (nach unseren Informationen 150 000 Euro). Auch die Aufnahme eines dritten Gesellschafters thematisiert der e.V. Es gäbe „seriöse Interessenten“ – Ismaik hätte der Option allerdings eine „spontane Absage“ erteilt.

Ob sich die Fronten bei der nächsten Aufsichtsratssitzung im April zum Wohle der sportlichen Perspektive aufweichen lassen? Nicht nur Trainer Bierofka und Sportchef Gorenzel hoffen auf einen Kompromiss. Und Ruhe im blauen Käfig.

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