München – Als 2016 der auf Sportgeschichten spezialisierte Autor Ronald Reng das Buch „Mroskos Talente“ veröffentlichte, in dem er das Leben eines Fußball-Scouts schilderte, war die Branche etwas irritiert: Ist Charly Mrosko denn nun als Späher unterwegs auf den Bolzplätzen in Deutschland und Europa? War der nicht nach seiner Karriere als Spieler Rechtsanwalt geworden?
Rengs Mrosko war ein anderer: Lars. Und der hatte nichts zu tun mit dem Mrosko, der offiziell Karl-Heinz hieß, aber zu dem das Charly viel besser passte. Ein flotter und leichtlebiger Typ wie der von Günther Maria Halmer gespielte Charly (oder auch mal Tscharlie) aus Helmut Dietls „Münchner Geschichten“. Die legendäre TV-Serie lief auch zu der Zeit, als Mrosko in München lebte. Charly Mrosko, der zu Beginn dieser Woche in einem Krankenhaus in Wilhelmshaven verstarb. Der ehemalige Bundesligaspieler wurde 72 Jahre alt.
Von 1969 bis 71 hatte er für die Bayern gespielt, 1973/74 für den TSV 1860 (in der damaligen Regionalliga Süd, Trainer war Max Merkel). Weitere Profistationen des gebürtigen Lindauers waren 1. FC Nürnberg und Hannover 96. Eine Nominierung für die Nationalmannschaft blieb ihm verwehrt. Wegen seiner Frisur, wie er 2011 in einem Interview mit unserer Zeitung erzählte. Bundestrainer Helmut Schön habe 1971 Interesse signalisiert – wenn Mrosko seine Mähne kürze. „Ich sagte zu ihm: Wenn das Bedingung ist ist für die Berufung, dass ich zum Haare schneiden gehe, lasse ich sie mir bis zum Hintern wachsen.“ Schön habe wohl gedacht: „Einen, den ich nicht erziehen kann, tue ich mir nicht an.“ Ungerecht, fand Mrosko: „Ich habe nichts Böses gesagt – nicht mal über seine krumme Nase.“
Anwalt wurde er erst mit 42 – „damit meine Tochter, wenn sie nach dem Beruf des Vaters gefragt wird, nicht Fußballer sagen muss“. Und aus Streitbarkeit. In Hannover hatten die Kollegen ihn nicht an der Nichtabstiegsprämie beteiligen wollen. „Ich war reich liiert und konnte mir einen Porsche leisten.“ Den FC Bayern schätzte er von seinen Ex-Clubs am meisten: „Wenn ich höflich um eine Karte für mich und Begleitung bitte – das geht immer, mit Zugang zum Kuchenblock, wie ich immer sage.“
Kaum vorstellbar, dass künftige Ex-Spieler mal so amüsant von ihrer Karriere erzählen werden, wie Charly Mrosko es tat. Das Interview damals zum 65. beendete er mit der Bitte, sein Alter nicht herauszustellen: „Sonst habe ich keine Chancen mehr beim schwachen Geschlecht.“