München – Die neue und vor allem für den Eissport vorgesehene Halle, die ab 2021 im Olympiapark stehen soll, hat seit gestern einen Namen. Die Arena wird „SAP Garden“ heißen, der Walldorfer Softwarekonzern ist Namenssponsor, denn gegen Red Bull, das den Bau finanziert, hatte sich der FC Bayern als Mieter für sein Basketball-Team gesperrt. Lustigerweise gibt es ja schon eine SAP-Arena in Mannheim, sie fasst noch 2000 Zuschauer mehr, als mal in den Münchner SAP Garden passen werden – und gerade in EHC-Fankreisen wird gerne gespottet über das Operettenpublikum am Mannheimer Maimarkt.
Dahinter steckt sicher aber auch Neid. Denn Mannheim gehört zu den Zuschauerhochburgen im europäischen Eishockey. Der Weltverband IIHF hat wieder seine jährliche Auswertung der Besucherzahlen veröffentlicht – nach Abschluss der Hauptrunde belegen die Adler europaweit Platz fünf. München hingegen schmiert in der Statistik ab: Rang 62, fünf schlechter als vor einem Jahr.
Wie ist das zu bewerten? Zur Verteidigungsargumentation der Münchner Anhänger zählt, dass die Möglichkeiten in der 1967 in Betrieb genommen alten Olympia-Eishalle eingeschränkt sind. Selbst wenn jede Partie mit 6142 Zuschauern ausverkauft wäre, würde der EHC lediglich auf Platz 33 landen – hinter Salawat Ufa aus Russland (6176), vor Linköping HC aus Schweden (6079).
Die Realität in München sind im Schnitt 4819 Zuschauer – Hallenauslastung somit 78,45 Prozent. Deutlich besser etwa als Köln, wo zwar 11 573 kamen, aber 18 500 Platz finden könnten. Sitzplätze würden sich in München gut verkaufen, der Bedarf wäre in der Regel höher als die gut 1500, die es gibt. Stehplätze (mehr als 4000) bleiben meistens übrig. Gut liefen die „Hockey Halleluja“-Spiele in der komfortablen Olympiahalle (10 000 Zuschauer), zum Jahreswechsel 2018/19 fanden sie allerdings nicht statt. Darum steht der EHC im IIHF-Ranking etwas tiefer.
Realität ist jedoch auch, dass Schweizer Dorfvereine wie EV Zug (6952), Fribourg (6077), Biel (6028) und Langnau (5747) vor der Millionenstadt München stehen, ebenso zwei Clubs aus der britischen Liga (Sheffield Steelers – 6045, Nottingham Panthers – 5799). Tatsache ist auch, dass der EHC immer noch jede Menge vergünstigter Tickets auf den Markt bringt. Diese Saison bei vier Familienspieltagen, sieben „Student Hockey Nights“ und einem „Mädlsabend“.
Schlecht läuft die erste Phase der Saison, während der Oktoberfestzeit helfen auch Derbys nicht weiter. Eishockey-Erwachen ist in München traditionell immer erst im Dezember zu verspüren. Und auch die ersten Playoff-Partien liegen unter den Erwartungen. 4130 Zuschauer gegen die Eisbären Berlin, den vorjährigen Finalgegner, sind indiskutabel, auch wenn an diesem Abend der Fußball-Hit FC Bayern – Liverpool anstand. 5810 fanden sich dann am Sonntag zum zweiten Heimspiel gegen Berlin ein. Das dritte (kommender Sonntag, 17 Uhr) war – Stand gestern – noch nicht ausverkauft.
Wie würde es wohl im Garden sein?