Lehrreicher Blick auf die VW-Schornsteine

von Redaktion

Stildebatte ums deutsche Team nach Leroy Sanés extravagantem Auftritt bei der Anreise

Wolfsburg – Joachim Löw schaute Leroy Sane zur Begrüßung tief in die Augen, dann zeigte der Bundestrainer ein väterlich-gütiges Lächeln. Den extravaganten Auftritt beim Neustart der Nationalmannschaft hatte er dem Flügelflitzer da längst verziehen. Ja, er habe von Sanes 25 000-Euro-Klamotten gelesen, bestätigte Löw, aber „ich will das nicht bewerten, das spielt keine Rolle. Es ist mir völlig egal, wie die Spieler kommen.“

Sane, sportlich bei Löw inzwischen unumstritten, hat die Stildebatte um die DFB-Elf zum Auftakt des Länderspieljahres mit dem Test gegen Serbien gestern in Wolfsburg neu entfacht – und diese wird nicht mit modischen Argumenten geführt. Oliver Bierhoff, als Nationalmannschaftsdirektor im DFB für das Erscheinungsbild der Auswahl zuständig, sieht dies als „Privatsache“. Der Bild-Zeitung sagte er: „Wir setzen auf Eigenverantwortung. Da muss jeder Spieler selber wissen, was er macht.“

Durch die Blume hieß das: Eine gewisse Sensibilität wird erwartet. Zeigt die ein Jungmillionär, der sich in der Arbeiterstadt Wolfsburg in Klamotten sehen lässt, die mehr kosten als ein Jahreswagen? Ein Blick aus dem Fenster des noblen Teamhotels auf die vier Schornsteine der Autostadt könnte die Sinne für diese Themen schärfen. Ebenso der Termin am Freitag: Dann besuchen Sane und Co. die Autoschrauber im VW-Werk.

Bierhoff betonte noch einmal, dass die Nationalelf den nach der WM eingeschlagenen Weg mit „größerer Fannähe“ und „Begegnung mit den Menschen“ weitergehen wolle. Deshalb das öffentliche Training am Montag, wo Sane wie immer zu den Lieblingen der Kids gehörte. Den „jungen, interessanten Spielern“ wie Sane werde es sicher gelingen, sagte Bierhoff, das „positive, freudige Bild der Mannschaft weiter zu formen“. Fehler gehörten dazu, meinte er, auch außerhalb des Platzes, es sei deshalb „wichtig, dass Verantwortliche und Fans Geduld aufbringen, auch hier und da verzeihen, wenn Dinge nicht ganz so laufen“.

Allerdings: Der interne Verhaltenskodex wurde im Herbst verschärft. Auch auf Wunsch der Spieler gibt es nun ein Handyverbot beim Essen, dazu soll Cliquen-Bildung wie bei der WM 2018 vermieden werden. Bierhoff: „Wir wollen schärfen, was es bedeutet und welche Verantwortungen es mit sich bringt, Nationalspieler zu sein.“  sid

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