Gestern Abend war im Fußball dieses Länderspiel, Deutschland – Serbien. Selbst die von diesem Event beehrte Stadt Wolfsburg verfiel darob nicht in Ekstase. Und am Tag davor: Gar nichts im Fußball, was irgendjemanden bewegt hätte. Dienstag und Mittwoch wären also wunderbare Tage gewesen, dem Sportpublikum eine wertige Alternative zu bieten: die vierte Runde im Playoff-Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Indes: Kein Spiel war angesetzt. Erst am Freitag wird wieder gespielt. Nächste Woche der gleiche Rhythmus: Freitag und Sonntag.
Große Verwunderung in der Eishockey-Szene. Bisher ging es immer in maximaler Eile durch die Phase der Saison, der die Liga das Social-Media-Prädikat #geilstezeit verpasst hat. Bisweilen wurde sogar „back to back“ gespielt: heute hier, morgen da. Und alle Beteiligten fanden es in Ordnung. „Das ist Playoff-Kultur“, sagt der Augsburger Erfolgstrainer Mike Stewart. Warum auf einmal fünf Tage Pause zwischen einzelnen Partien liegen müssen, weiß niemand. Es traut sich auch keiner, die DEL zu kritisieren – aus Furcht vor Geldstrafen, mit der man in der Ligenzentrale in Neuss schnell zur Hand ist.
Man kann also nur mutmaßen, warum heuer dieser spezielle Terminplan geschrieben wurde. Offensichtlich ging es darum, zwei Wochenspieltage und mögliche schwächere Zuschauerzahlen in den Hallen zu vermeiden. In der Hauptrunde spielte dieses Argument aber keine Rolle, da gab es etliche eingestreute Spieltage. Zudem wurde – auf Wunsch des Fernsehpartners – auch immer ein Match auf den Donnerstag ausgelagert, den sogar die Eishockey-Hardcore-Fans übersehen.
Einen sportlichen Grund kann es jedenfalls nicht geben für das plötzliche Schonprogramm im Viertelfinale. In den Playoffs sollte auch belohnt werden, wer einen guten Saisonaufbau hat und besser konditioniert ist. Und es sollten nicht Pausen entstehen, wenn das Eishockey am interessantesten ist. Beispiel Mannheim: Was, wenn die Adler, der Hauptrunden-Erste, am Freitag mit dem vierten Spiel gegen Nürnberg durch sind? Sie müssten mindestens elf Tage warten, bis das Halbfinale beginnt.
Man könnte natürlich sagen: Ist doch auch eine Chance zum Regenerieren und den Kopf freizubekommen. Wenn es denn so einfach wäre mit der Zerstreuung. Denn auch in der kommenden Woche ist im Fußball: nichts.
Guenter.Klein@ovb.net