München – Der Deutsche Skiverband (DSV) muss vier Tage nach dem letzten Rennen von Felix Neureuther den nächsten schweren Schlag verkraften und einen neuen Chefcoach für seine Männer finden. Mathias Berthold gab gestern überraschend das Ende seines Trainerengagements bekannt und hat mit den anstehenden und notwendigen Veränderungen im Technik-Team um die zukünftige Leitfigur Stefan Luitz nur noch in einer kurzen Übergangsphase zu tun. Ein heißer Nachfolgekandidat ist offenbar schon gefunden, Berthold kennt ihn bereits und sprach von einer „guten Lösung“. Nennen wollte er den Namen nicht, doch nach Lage der Dinge handelt es sich wohl um einen Mann, der bereits im Verband arbeitet. Bis April will der DSV die so wichtige Personalie regeln.
Der Österreicher kehrte 2014 nach einem Engagement in seinem Heimatland nach Deutschland zurück. Er war in den vergangenen fünf Jahren maßgeblich dafür verantwortlich, dass in Thomas Dreßen und Josef Ferstl zwei Deutsche auf der legendären Streif in Kitzbühel gewannen und aus einer Speedmannschaft ohne echte Chance auf gute Platzierungen inzwischen ein international respektiertes Team geworden ist. Bei seinem Antritt habe er den Abfahrern gesagt: „Eigentlich gibt es euch nicht mehr. Aber ich stehe 1000-prozentig hinter euch und dem, was wir tun.“ Diese Überzeugung verfehlte ihre Wirkung nicht.
In Bertholds Amtszeit fallen zudem zwei WM-Medaillen von Neureuther und WM-Silber von Fritz Dopfer im Slalom. „Diese Mannschaft liegt mir unglaublich am Herzen“, sagte Berthold.
Der 53 Jahre alte Berthold will zukünftig Spitzensportler dabei unterstützen „mit den individuell passenden Strategien ihre Visionen und Ziele“ in die Tat umzusetzen, wie er auf seiner Facebook-Seite schrieb. DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier bedauerte die Entscheidung. „Die Basis für unsere vielen großen Erfolge war die extrem engagierte und hochprofessionelle Arbeit von Mathias Berthold“, sagte er.
Berthold arbeitete bereits von 2003 bis 2010 für den DSV – als Frauen-Trainer. Bei den Olympischen Spielen 2010 wurde Maria Höfl-Riesch mit ihm als Cheftrainer Doppel-Olympiasiegerin, Viktoria Rebensburg holte Gold im Riesenslalom. Nach seiner Rückkehr machte er aus einem Technik-Team mit viel Potenzial zwischenzeitlich eine der stärksten Mannschaften der Welt. Auch glaubte er eisern an die Fähigkeiten der Abfahrer und verhinderte das zur Debatte stehende Aus für sie. Dreßen, Ferstl und Andreas Sander profitierten enorm vom Zusammenspiel Bertholds mit Disziplintrainer Christian Schwaiger.
Auch Neureuther machte unter Berthold noch einen großen Schritt. Der bald 35-Jährige hatte seine Karriere am Sonntag beendet. Er zählt zu den beliebtesten Sportlern des Landes. dpa/sid