München – In den vergangenen Tagen haben sich viele wieder einmal mit Svetislav Pesic befasst. Klar, zum ersten Mal seit seinem Abschied vom FC Bayern kehrte der Altmeister in offizieller Mission in den Audi Dome zurück. In einem Fernsehbeitrag scherzte der 69-Jährige dabei, das Euroleague seines FC Barcelona mit dem FC Bayern sei schon vorher zugunsten der alten Liebe München entschieden. „Alles schon geklärt“, sagte Pesic, „jeder gewinnt in diesem Jahr ein Spiel.“
Gut für die Münchner: Der Trainer-Altmeister behielt Recht. Nach der Hinspielniederlage in Barcelona entschieden die Bayern das Rückspiel nach einer dramatischen Schlussphase mit 73:71 (32:36) für sich. Für die Münchner ein lebenswichtiger Sieg. Sie bleiben am Leben, die letzten leisen Hoffnungen auf die Playoffs.
Man durfte nach der heftigen Klatsche in Piräus schon gespannt sein. Wie reagieren die Bayern? Kämpft man wütend um die letzte Chance? Die Antwort wurde schnell deutlich: Für die ganz mächtige Reaktion fehlen den Münchnern in diesen Tagen Dampf und Selbstbewusstsein. Bundestrainer Henrik Rödl überrascht das nicht: „Man muss sich eigentlich wundern, dass so eine Phase nicht schon früher kam“.
Das Bayern-Spiel holperte in Halbzeit eins, man ließ defensiv Lücken, gab offensiv viele Wurfchancen aus der Hand. Am besten erging es kurioserweise noch Rückkehrer Devin Booker, der immerhin 14 Punkte einrammte. Ansonsten war kein Münchner am Korb zuverlässig. Und das war bitter, denn man merkte schnell: Auch Barcelona, als Tabellenfünfter ja schon fix im Viertelfinale, hatte alles andere als seinen besten Abend erwischt.
Aber es reichte halt lange, was die Katalanen boten. Immer dann wenn die Bayern im ausverkauften Audi Dome in Reichweite zu kommen drohten packten der 2,17-Meter-Riese Ante Tomic (13 Punkte) und Kollegen halt den ein oder anderen Punkt drauf.
Bis zur Schlussphase, bis Routinier Petteri Koponen das Heft in die Hand nahm. Treffer aus der Mitteldistanz, Treffer von der Dreierlinie – plötzlich waren die Bayern wieder im Geschäft. In der Schlussphase. Und das war eine Chance, die sich die Münchner tatsächlich nicht nehmen ließen. Als es in den Schlusssekunden beim 71:71 schon massiv nach Verlängerung roch kam noch einmal Koponen an den Ball. Der Finne, den man genau für solche Momente an Bord geholt hatte, marschierte, sprang, warf – und mit der Schlusssirene huschte das Spielgerät durch die Reuse. Was folgte, war Ausnahmezustand im Audi Dome. Und ein FC Bayern, der wieder Hoffnung sammelte. Zumindest bis zur kommenden Woche. Dann muss man in Istanbul ran.