München – Noch thronen Uli Hoeneß, 67, und Karl-Heinz Rummenigge, 63, an der Spitze des FC Bayern. Doch die Wachablösung ist eingeleitet: „Wir haben mit Oliver Kahn einen aussichtsreichen Kandidaten für die Nachfolge von Karl-Heinz Rummenigge (Vertrag bis 31. Dezember 2021)“, sagte Hoeneß (bis Ende 2022 als Aufsichtsratschef bestätigt) laut „Bild“. „Falls ich aufhören sollte, habe ich den einen oder anderen im Auge, der das vielleicht machen kann. Wichtig wird sein, dass wir gute Leute finden, die mit Herzblut und großem Sachverstand an die Dinge rangehen.“
Ob ihm der Abschied leicht fallen würde? Hoeneß: „Viele sagen: Das kann der nie. Aber ich habe es bewiesen mit der Firma (HoWe Wurstwaren in Nürnberg, d. Red.), die ich an meinen Sohn und meine Tochter übertragen habe. Ich bin wirklich zu null Prozent beteiligt. Mein Sohn hat sich in zehn Jahren hochgearbeitet, macht das super. Wenn er ein Problem hat, fragt er mich, wenn er kein Problem hat, fragt er mich nicht. So stelle ich mir das auch bei Bayern München vor. Wir versuchen, die richtigen Leute an die richtigen Stellen zu setzen.“
Es wäre der Rückzug des erfolgreichsten Patriarchen, den der deutsche Fußball je gesehen hat. Anlass genug, um einmal auf Hoeneß’ nationale und internationale Kollegen zu blicken, auf die Art und Weise, wie sich die Clubs ohne ihre prägenden Figuren verändert haben. Ein Streifzug.
Karl-Heinz Wildmoser
Unter der Präsidentschaft des 2010 verstorbenen Münchner Wirte-Originals erlebten die in der drittklassigen Bayernliga darbenden Löwen ein Jahrzehnt des Aufschwungs. Bis in die Qualifikation zur Champions League führte der von Wildmoser verpflichtete Trainerkauz Werner Lorant die Mannschaft, ehe 2001 der Sinkflug begann. Heute sind die Sechziger wieder dort, wo sie vor Wildmoser waren. Und heillos zerstritten.
Rudi Assauer
Als Manager prägte der Zigarrenfreund den FC Schalke in seiner zweiten Amtszeit ab 1993 wie keiner nach ihm. Uefa-Cup-Triumph 1997, zwei DFB-Pokal-Siege, dazu eine Vier-Minuten-Meisterschaft und der Stadionbau – Assauer war Schalke. Seit seinem unfreiwilligen Rückzug 2006 ist personelle Kontinuität ein Fremdwort beim Gelsenkirchener Traditionsunternehmen. Aktuell herrscht mal wieder Ratlosigkeit. Der Abstieg aus der Bundesliga droht. Trainer-Rentner Huub Stevens soll retten, was noch zu retten ist.
Willi Lemke
Der SPD-Funktionär mit Doppelagenten-Vergangenheit gefiel sich in den 80er- und 90er-Jahren als Lieblingsfeind von Uli Hoeneß, dessen FC Bayern er als Manager von Werder Bremen lange Zeit piesacken konnte. Auch mit Klaus Allofs als Sportchef erlebten die Bremer eine Plateauphase, holten 2004 das Double, ehe sich der Club finanziell verhob und zum Abstiegskandidaten verlotterte. Inzwischen ist solides Bundesliga-Mittelmaß angesagt, auf eine internationale Teilnahme wartet der Klub seit nunmehr acht Jahren.
Und international?
Silvio Berlusconi
Der Mailänder Milliardär regierte den AC Mailand als Präsident von 1986 bis 2004 und von 2006 bis 2008. Bis 2017 gehörte dem skandalerprobten Medienunternehmer und Politiker der Club, ehe er die Anteile an ein chinesisches Investoren-Konsortium verkaufte. Im Juli 2018 übernahm die US-amerikanische Investmentgesellschaft Elliott Management Corporation die Führung und Mehrheit des Unternehmens, nachdem die Chinesen ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkamen. Sportlich ist Milan von einstiger Größe weit entfernt. Unter Präsident Paolo Scaroni, Ex-Boss der italienischen Energiekonzerne Eni und Enel, soll die Renaissance gelingen.
Massimo Moratti
Was Berlusconi für Milan war, war Moratti für den Lokalrivalen Inter. Der Öl-Tycoon aus Venetien regierte die Nerazzurri in zweiter Generation. Vater Angelo hatte die größte Zeit des Clubs in den 60er-Jahren verantwortet, der Sohnemann wollte den alten Glanz mit viel Geld aufpolieren, was ihm nicht gelang. Immerhin sprengte Moratti II. einige Transferrekorde (u. a. 90 Millionen für Christian Vieri im Jahr 1999) und pumpte insgesamt rund 750 Millionen Euro in den Klub. Größter Erfolg unter seiner Ägide war der Champions-League-Sieg 2010 im Finale gegen den FC Bayern. Es folgte der sportliche Niedergang – Juventus Turin enteilte den Mailändern. Auch die Besitzverhältnisse änderten sich. Moratti verkaufte den Club 2013 mehrheitlich an eine indonesische Investmentgesellschaft und trat als Präsident zurück. 2016 kaufte der chinesische Haushaltsgeräte-Konzern Suning den einstigen Vorzeigeverein. In Eintracht Frankfurt fand Inter jüngst seinen Meister, immerhin winkt die Qualifikation zur Champions League.
Alex Ferguson
Der autoritäre Schotte, aufgewachsen im Glasgower Werftenviertel Govan, managte und trainierte Manchester United von 1986 bis 2013 und gewann in den 27 Jahren 13 englische Meisterschaften sowie zweimal die Champions League, ehe er sich in den Ruhestand verabschiedete. Die Vormachtstellung in der Premier League hat das im Besitz des amerikanischen Glazer-Clans (Sport-Investment) befindliche United mangels gelungener Umbrüche eingebüßt, der mit Abu-Dhabi-Geld gedopte Stadtrivale Manchester City will eine neue Ära prägen. Ähnliches schwebte 2011 auch einem gewissen Hasan Ismaik vor. Der Rest ist bekannt.