Der Mann für die magischen Momente

von Redaktion

Koponen blieb bei Bayerns Basketballern oft unter Wert – gegen Barcelona zeigte er Klasse

VON FABIAN RIESE

München – Petteri Koponen hat das Unheil zu spät kommen sehen. Der finnische Routinier konnte der, auf ihn zuschwappenden Welle der Begeisterung nicht mehr entkommen. Für einige Momente verschwand er im Gewühl aus Teamkollegen, Betreuern und Basketball-Chef Marko Pesic. Bis man ihn wieder auf die Beine hievte. Und er leicht lädiert, aber glücklich schwärmte: „Wir wollten zeigen, dass wir ein anderes Team sind als in den letzten Spielen“, sagte Koponen, „das haben wir geschafft. Den Sieg nehmen wir gerne mit.“

Über das ganze Spiel hinweg waren die Bayern dem FC Barcelona hinterher gelaufen. Doch als es darauf ankam, nahm Petteri Koponen das Heft in die Hand. Mit der Schlusssirene bescherte der 30-Jährige seinem Team das 73:71 über den Ex-Euroleague-Champion aus Katalonien. Ausgerechnet Koponen, der die beiden letzten Spielzeiten noch im Trikot des FC Barcelona im Einsatz gewesen war. Im Frühjahr schickte man ihn weg – nun nahm er süße Revanche. Ein Gefühl, das auch aus seinen Worten durchklang. „Natürlich war das ein besonderes Spiel für mich“, sagte er, „dass ich den Game-Winner geworfen habe fühlt sich gut an.“

Wobei man natürlich auch sagen muss: Nicht zuletzt für solche Momente hatten ihn die Bayern im Sommer an Bord geholt. Als einen Mann, der Qualität und Erfahrung vereint. Als einen Profi, der Qualität auch dann noch abrufen kann, wenn das Kollektiv an seine Grenzen stößt.

Denn auch das war trotz aller Begeisterung über das 13. Erfolgserlebnis in der Euroleague-Saison nicht zu übersehen. Die Bayern haben in diesen Wochen nicht die Leichtigkeit, nicht das Selbstverständnis und die Wucht mit der man im Januar sogar Euroleague-Spitzenreiter Fenerbahce Istanbul hatte stolpern lassen. Für Bundestrainer Henrik Rödl eine nur logische Entwicklung. „Die Belastung ist ja unglaublich“, sagte er, „da sind solche Phasen ganz normal.“

In den letzten Partien in Europa gegen Tel Aviv, in Kaunas oder Piräus hatte man auf die Impulse von Derrick Williams gehofft. Aber der frühere NBA-Profi hängt dieser Tage ebenso wie der normalerweise so verlässliche Vladimir Lucic durch. Und so übernahm nun also Koponen. Über den Finnen hatte man in dieser Saison immer wieder gerätselt. Nur selten rief er sein wirkliches Potenzial ab. Konnte er vielleicht auch nicht, bei den Rollen, die ihm Trainer Dejan Radonjic gab.

Auch am Donnerstagabend blieb Petteri Koponen eine Halbzeit lang in der Versenkung. Einen einzigen Wurf hat der Mann, der als einer der besten Schützen des Kontinents gilt, bis zum Wechsel abgegeben. Doch dann ließ Radonjic den Veteran von der Kette. Alle seine 14 Punkte steuerte er in Halbzeit zwei bei, sieben davon den fünf Schlussminuten, in denen die Bayern aus einem zwischenzeitlichen Elf-Punkte-Rückstand noch den Sieg machen, der die Playoffchancen zumindest für eine weitere Woche am Leben erhält: Doch damit wollte sich der Matchwinner lieber nicht befassen. „Wir müssen auf das konzentrieren, was wir in der Hand haben“, sagte er, „unsere Spiele gewinnen.“ Na dann.

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