DFB um klare Linie bemüht

Nicht mehr wegducken

von Redaktion

ELISABETH SCHLAMMERL

Reinhard Grindel, der Präsident des Deutschen FußballBundes, hat ja gerne und oft etwas zu sagen, wenngleich seine Aussagen nicht immer ganz passend und zutreffend erscheinen, aber das ist eine andere Sache. Dass er sich nun allerdings zu den Rassismus-Vorfällen in Wolfsburg beim Länderspiel gegen Serbien unter der Woche geäußert und diese scharf verurteilt hat, ist nicht nur angemessen, sondern seine Pflicht als DFB-Boss.

Der Verband handelte nicht immer so konsequent. Im vergangenen Jahr hatten sich die Verantwortlichen noch ziemlich weggeduckt, als Mesut Özil und Ilkay Göndogan vor allem in den sozialen Medien angepöbelt worden waren. Die Anfeindungen gegen die beiden deutschen Spieler mit Migrationshintergrund damals waren zwar wohl in erster Linie die Folge des höchst umstrittenen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan – und vielleicht auch dem unsouveränen Umgang des DFB damit geschuldet. Aber einigen Menschen schien dieses Ereignis im WM-Sommer gerade recht gekommen zu sein, um die Menschenrechte im Internet mit Füßen zu treten.

Dieses Mal gab es keinen rassistischen Shitstorm, zum Glück. Die Diskriminierung von Leroy Sané und Antonio Rüdiger in Wolfsburg wurde wohl nur publik, weil ein Journalist von jenen drei Männern, die mutmaßlich dafür verantwortlich waren und auf der Tribüne hinter ihm saßen, in einem Video berichtete. Wer nun sagt, dass das Aufheben um nur drei irrlichternde Stadion-Besucher zu groß sei, täuscht sich gewaltig. Rassismus in den Fußball-Arenen ist ja nicht die Ausnahme. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen. Affenlaute gehören noch zu den harmloseren Ausprägungen. In Italien war es Ende des vergangenen Jahres zum Eklat gekommen, weil Fans von Inter Mailand einen dunkelhäutigen Spieler des SSC Neapel beleidigt hatten.

Es scheint, als habe der DFB aus seinen Fehlern bei Özil und Gündogan etwas gelernt. Dieses Mal ist er um eine klare Linie bemüht. Ebenso beziehen mehrere deutschen Nationalspieler, Teamkollegen von Sané und Rüdiger, Position und finden sehr deutliche Worte gegen die Hetze. Das ist ein Extra-Lob wert. Aber eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Elisabeth.Schlammerl@ovb.net

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