Wie wunderbar vernünftig war man doch noch vor 16 Jahren. Damals, 2003, entschlossen die UEFA und die Clubs sich dazu, das Format Champions League zurechtzustutzen. Heute fast vergessen: In dieser ungezügelt kapitalistischen Zeit um die Jahrtausendwende gab es nach der Vor- noch eine Zwischenrunde mit gesichert sechs Spieltagen, wer das Finale erreichte, kam auf 17 Partien. Zum nationalen Spielbetrieb eine halbe Saison extra. Seit 2004 konnte man wieder mit 13 Spielen die Champions League gewinnen. Für die Spieler, das wertvollste Gut, schonender, für die Fans spannender, da die K-o.-Phase früher begann. Weniger war mehr, die Veranstaltung fühlte sich wieder mehr nach Europapokal an.
Wenn sich die Vereinigung der europäischen Clubs, die ECA, mit ihren Plänen durchsetzt, wird man den höchsten Wettbewerb im Vereinsfußball nicht mehr wiedererkennen. Er wird zur Liga, so groß, dass sie sich nicht mehr einfügt in die Terminlücken, die ihr Bundesliga, Premier League, Serie A, Ligue1 oder La Liga lassen. Da eine Super Champions League (oder wie immer das Ding letztlich genannt werden wird) nur funktioniert, wenn sie sich für die fernen Fernsehmärkte auf anderen Kontinenten schmückt, wird sie die Prime Time für sich beanspruchen. Den Samstag und Sonntag. Das ginge zu Lasten der nationalen Ligen.
Was das bedeuten würde: Auf einen Zuwachs der Einnahmen aus der Auslandsvermarktung bräuchten die Ligen nicht mehr zu hoffen. Selbst die englische Premier League wäre nicht mehr das Premiumprodukt, das sie heute ist, wenn Liverpool und die Spitzenclubs aus London und Manchester eine zweite Heimat haben, die ihnen wichtiger ist. Von der Bundesliga ganz zu schweigen. Ein weiterer Folgeschaden: In den internationalen Wettbewerb reinzukommen, wird nahezu unmöglich. Die Großkopferten schließen ihren Laden ab. Den Normalos bliebe als Anreiz die Qualifikation für Europa League oder Europa League2, das neueste Projekt der UEFA, den Kalender vollzustopfen.
Die Entschlossenheit der Großkopferten, sich jetzt durchzusetzen, ist greifbar, die Dementis sind nicht einmal mehr lauwarm. Dass sie parallel in ihren alten Welten und Ligen bleiben wollen, rettet diese nicht. Und ist nichts anderes als eine Art der Rückversicherung, falls es oben nichts zu gewinnen gibt. Und ein bisschen feige.
Guenter.Klein@ovb.net