Auf den Spuren seines alten Chefs

von Redaktion

Trainer Stefan Horngacher soll die deutschen Skispringer an der Weltspitze halten

Planegg – Die Amtszeit von Trainer Werner Schuster war noch keine fünf Minuten vorbei, da erklärte Stefan Horngacher vor einer TV-Kamera schon das Ende seines Engagements in Polen. Der Flirt des Deutschen Skiverbandes (DSV) mit seinem hochgeschätzten ehemaligen Skisprung-Assistenztrainer aus Tirol läuft schon seit sieben Wochen. „Wir sind auf der Zielgeraden“, sagte der Sportliche Leiter Horst Hüttel. Horngacher ist bereit für die bisher wohl größte Aufgabe in seiner Trainerkarriere.

Nach fünf Wintern an Schusters Seite und drei höchst erfolgreichen Jahren mit Kamil Stoch und den anderen Springern in Polen will Horngacher Siege und Großereignis-Medaillen als Chef in Deutschland. „Es gibt Gespräche mit dem DSV, die dauern an. Die Chancen stehen sehr hoch“, sagte der 49-Jährige. Sowohl Horngacher („Es kann scheitern“) als auch Hüttel („Es gibt einen Plan B“) wollten letzte Zweifel noch nicht ausräumen. Die Unterzeichnung des bis 2022 gültigen Vertrags dürfte aber nur noch wenige Tage und ein paar Details entfernt sein.

Wie sehr Horngacher den Posten will, zeigt auch seine Strategie in Vertragsverhandlungen. In Polen hatte er immer nur von Jahr zu Jahr verlängert, weil er „ein vorsichtiger Mensch“ sei und sich „nicht ins gemachte Nest setzen“ wolle.

Nun soll er das deutsche Team um Dreifach-Weltmeister Markus Eisenbichler und Olympiasieger Andreas Wellinger bis zu den Spielen 2022 in Peking zu weiteren Höchstleistungen auf den Schanzen dieser Welt treiben. Seine Aussage aus dem Dezember („Es ist ein anstrengender Job, der kostet viel Kraft, auch für die Familie. Ich will mich nicht zu lange binden“) dürfte dann wohl nicht mehr gelten.

Die Drei-Jahres-Garantie wollte Werner Schuster dem Verband nicht mehr geben, weshalb er Anfang Februar das Ende seiner höchst erfolgreichen Ära verkündete. Der DSV will Schuster mit dessen Wissen und Konzepten aber trotzdem gern halten, zum Beispiel als Beteiligter bei einer neu eingerichteten Akademie. „Ich hoffe, man sieht sich wieder“, sagte Hüttel, der als enger Vertrauter Schusters gilt und den Österreicher 2008 nach Deutschland geholt hatte.

Horngacher, der mit seiner Familie in Titisee-Neustadt im Schwarzwald lebt, hätte viel bessere Startvoraussetzungen als sein ehemaliger Chef – allerdings auch mehr Druck. Im Gegensatz zu Schuster übernimmt er die DSV-Adler in der Weltspitze. Bei den nächsten Großereignissen – WM 2021 in Oberstdorf und Olympia 2022 in Peking – sind Titel und Medaillen zu verteidigen. Dass sie dann von Horngacher, den Wellinger als „sehr, sehr akribisch“ beschrieb, begleitet werden – daran besteht kein Zweifel mehr.  dpa

Artikel 1 von 11