München – Adler Mannheim und EHC München waren dem Rest der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in der Hauptrunde so weit voraus, dass man eine Finalserie zwischen den beiden Teams für unausweichlich hält. Jedoch: Es gibt eine Verzögerung im Betriebsablauf. Während Mannheim nach fünf Spielen gegen Nürnberg durch ist und das Halbfinale erreicht hat, steht den Münchnern mindestens noch ein sechstes Viertelfinale bevor: Freitag in Berlin, das ist der nächste Termin. In seinen drei Meisterjahren war der EHC immer mit maximal einer Niederlage durch die für ihn erste Runde der Playoffs gekommen. Nun sind es schon zwei. Beide torlos. Ein 0:4 im zweiten Spiel in Berlin, ein 0:3 zuhause im fünften.
Münchens Trainer Don Jackson spricht von der „Natur der Playoffs“. Eine wolkige Erklärung für etwas, das schwer zu greifen ist. Dass der Schwung, den man auf seiner Seite wähnt, plötzlich schwindet, dass der Widerstand des Gegners größer wird anstatt nachzulassen. Jackson weiß, dass seine Mannschaft über das bessere Personal verfügt als die Eisbären, doch auf einem anderen Feld gerät sie ins Hintertreffen. „Es ist eine mentale Sache“, glaubt der US-Amerikaner. Er stammt aus einem Land mit reicher Playoff-Kultur – und dem entsprechenden Sprachschatz dazu.
„They were more desperate“: Ein Satz, den man öfter hört, je älter die Saison wird und je wichtiger jedes einzelne Spiel. Man ist aus dem Fernsehen mit den „Desperate Housewives“ vertraut, muss aber doch zum Wörterbuch greifen. Heißt „desperate“ verzweifelt? Ja, auch. Die treffendere Übersetzung ist „Zum Äußersten entschlossen“. Es war die letzte Chance der Eisbären, das Saison-Aus abzuwenden – so wie für Nürnberg am Freitag, als sie Topfavorit Mannheim trotz aussichtslosen 0:3-Rückstands in der Serie einen verbissenen Kampf lieferten und in der Verlängerung gewannen.
„They wanted it more. They were hungrier.“ John Mitchell dürfte das seit seinen ersten Playoffs 2001 als 16-Jähriger ein paar Mal und in verschiedenen Ligen gesagt haben. Wenn er zu den Spielen seine dritten Zähne herausnimmt und somit eine komplette Leiste fehlt, wird offensichtlich, wie oft der kanadische Stürmer dieses Hin- und Herwogen zwischen zwei Mannschaften schon erlebt hat. Er selbst wirkt gerade auch ein wenig satt, erst ein Assist ist ihm gelungen in den fünf Spielen gegen die Eisbären. Er hat sich für Freitag vorgenommen, „die Arbeitsstiefel anzuziehen“.
„To bring pucks and bodies to the net“: Auch so ein Standard-Vorschlag von Mitchell. Es geht um die Powerplay-Schwäche der Münchner. Derzeitige Erfolgsquote: 6,90 Prozent, zwei Tore, schwächster Wert aller Playoff-Teams. Im Vergleich dazu Mannheim: 36,36 Prozent, acht Treffer, eine andere Welt. Der extra fürs Überzahlspiel verpflichtete Coach Clement Jodoin arbeitet sich ab, die Formationen wurden verändert, sogar – ungewöhnlich – eine dritte (Boyle, der nun verletzte Abeltshauser, Christensen, Andy Eder, Kastner) ausprobiert. Die Stammbesetzungen sind: Ehliz, Hager, Wolf, Shugg, Seidenberg sowie Mitchell, Voakes, Parkes, Mauer, Joslin. „Die taktischen Varianten haben wir alle durch“, sagt Mitchell und meint: „Wir sollten einfach weiter versuchen, Puck und Körper vors gegnerische Tor zu bringen.“ Damit dem Torwart die Sicht versperrt wird und eine Scheibe einfach mal durchflutscht. „Es ist ein Puzzle diese Saison“, sagt Trainer Don Jackson.
Man könnte sagen: Es ist zum Verzweifeln. Aber das soll in den Playoffs ein guter Antrieb sein.