In den Jungbrunnen gefallen

von Redaktion

Nie war Mölders, 34, wichtiger für die Löwen – Bierofka: „Er kämpft, rennt – einfach toll!“

VON LUDWIG KRAMMER

München – Sechste Spielminute: langer Ball von Phillipp Steinhart, gefühlvolle Annahme mit der Brust, auftitschen lassen, Drehung nach rechts, satter Linksschuss aus 20 Metern . . . an den Pfosten!

Ja, es hätte das Zeug zum Tor des Monats gehabt, dieses Gerät von Sascha Mölders gegen den SV Meppen. Nun dürfte die Medaille an Serge Gnabry gehen, der am Sonntag gegen Holland mehr Schussglück hatte. Mölders wird’s verschmerzen.

Mit (seit letztem Mittwoch) 34 Jahren ist der Sixpack-Verächter wertvoller denn je für die Löwen. Er geht als erster Verteidiger voran, organisiert das Pressing und holt nebenbei die Fans aus der Reserve, wenn die Unterstützung mal abzuebben droht. „Sascha ist, glaub ich, in einen Jungbrunnen gefallen“, schwärmt Trainer Daniel Bierofka: „Er kämpft und rennt, ist sich für keinen Weg zu schade – einfach toll.“

Sechs Tore hat Mölders in seinen 28 Saisonspielen geschossen, dazu vier Mal die Vorarbeit geleistet – bessere Werte kann in dieser Altersklasse nur Ronny König, 35, vorweisen, der für den FSV Zwickau auf einen Scorerpunkt mehr kommt. Doch: „Tore sind nur das eine“, weiß Bierofka. „Wie Sascha für die Mannschaft arbeitet, wie er die Bälle sichert, auch in die eigene Hälfte rein verteidigt – das ist für mich wichtiger.“

Und wird wichtig bleiben. Denn eine echte Alternative zu ihrem Alterspräsidenten (Vertrag bis 2020) haben die Löwen nach dem Abgang von Adriano Grimaldi nicht im Kader. Bielefeld-Leihgabe Prince Osei Owusu ist noch zu schwankend in seinen Leistungen – und wird nach der Saison wieder weg sein, Markus Ziereis hat seine Drittliga-Tauglichkeit noch nicht unter Beweis gestellt. Umso wichtiger, dass in Zeiten des Konsolidierens nicht am Strom für Mölders’ Kühlbox gespart wird, in die ihn Bierofka zwischen den Spielen verbal packt.

Andererseits: Weitet man den Blick über die 3. Liga, gibt es Beispiele, die 1860 Hoffnung machen sollten. Alex Meier, 36, Vedad Ibisevic, 34, Salomon Kalou, 33, und natürlich Claudio Pizarro. „Der ist 40 und trifft noch“, sagt Mölders: „Ihm gegenüber bin ich ja noch ein Jungspund.“

Einer mit Klasse: „Saschas linker Fuß hat Bundesliga-Niveau“, sagt Sportgeschäftsführer Günther Gorenzel. Humorvoller klangen Komplimente selten.

„Sein linker Fuß hat Erstliga-Niveau.“

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