Amsterdam – Es ist zuletzt viel über das Verhältnis von Manuel Neuer, 32, zu Marc-André ter Stegen, 26, spekuliert worden. Allerdings gaben beide Keeper und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Spekulationen recht viel Spielraum. Immerhin sah man es beim Verband nicht nötig, Neuer oder ter Stegen öffentlich sprechen zu lassen. Also musste sich Fußball-Deutschland bis nach dem 3:2-Sieg gegen die Niederlande gedulden, um zu erfahren, wie das Verhältnis zwischen dem DFB-Kapitän und seinem Herausforderer wirklich ist.
Kurz bevor der Bayern-Spieler nach seiner starken Partie die Katakomben der Johan-Cruyff-Arena verlassen wollte, kam die Frage: Herr Neuer, wie ist Ihr Verhältnis zu Marc-André ter Stegen? Der Torhüter antwortete souverän: „Es geht jetzt nicht um den Marc, es geht auch nicht um mich. Grundsätzlich ist unser Torhüter-Verhältnis mit allen Torleuten gut. Wir arbeiten zusammen, sind in einer Mannschaft, spielen in einer Mannschaft. Es sind alles starke Torleute, da zähle ich den Kevin Trapp dazu, da zähle ich den Bernd Leno dazu. Das sind tolle Leute, tolle Sportler, tolle Profis. Und das ist ein gesunder Konkurrenzkampf. Grundsätzlich ist es so, dass wir uns wirklich gut verstehen.“ Mit mehr Selbstbewusstsein hätte wohl nicht einmal Oliver Kahn reagiert, mit dem Neuer in der Zahl der Länderspiele (86) gleichgezogen ist.
Im Konkurrenzkampf hat Neuer seinen Nummer-eins-Status für diese Länderspiel-Periode jedenfalls gefestigt. Seine erste Parade gegen Ryan Babel war weltklasse, als er den Ball aus dem rechten unteren Eck fischte. Zwei Minuten später bewahrte er mit einem Reflex gegen den Oranje-Angreifer sein Team erneut vor dem schon in der ersten Halbzeit drohenden Ausgleich. „Es ist gut, so einen Fels in der Brandung zu haben“, sagte Joshua Kimmich.
Neuer selbst freute sich über die kniffligen Aufgaben. „Grundsätzlich habe ich ein bisschen darauf gewartet, dass Sachen kommen, bei denen ich mich auszeichnen kann. In der Vergangenheit hatte ich nicht viele. Ich habe eine gute Rückrunde gespielt. Und da bin ich fest davon überzeugt – egal, was geschrieben wurde.“ Heißt: Neuer hat sehr wohl wahrgenommen, dass seine Unantastbarkeit in der Nationalelf hinterfragt wird.
Darum wird auch der Bundestrainer erleichtert gewesen sein, dass sein Kapitän ihn durch eine wackelige Leistung nicht erneut in Erklärungsnot brachte. „Manuel Neuer hat in drei Situationen super gehalten. Er hatte eine gute Ausstrahlung hinten. Es war auch vom Manuel eine klasse Leistung“, sagte Joachim Löw. Und DFB-Direktor Oliver Bierhoff fügte an: „Die Antwort hat er auf dem Platz gegeben. Wir wissen von Manuels Stärke.“ Nach einer Wachablösung klang das nicht mehr. MANUEL BONKE