Haifa – „Blamage“, „Schmach“, „Pleite“ – die österreichischen Medien gingen am Tag nach der 2:4-Pleite in Israel mit ihrer Nationalelf hart ins Gericht. Die Schuld wurde aber nicht beim deutschen Trainer Franco Foda gesucht, sondern bei den Spielern. Die seien nach dem frühen 1:0 mit Überheblichkeit aufgetreten. „Das machte den Gegner stark und leitete die Wende ein“, sagte der ehemalige Nationalcoach Herbert Prohoska der „Kronen Zeitung“.
Foda übernahm für den Fehlstart der Österreicher in die EM-Qualifikation mit null Punkten aus zwei Spielen die Verantwortung und und kündigte Veränderungen an. „Wenn du so gut im Spiel bist und eigentlich alles im Griff hast, dann musst du konzentriert und fokussiert sein. Das hat etwas mit Mentalität zu tun, das müssen wir schleunigst ändern“, sagte der 52 Jahre alte gebürtige Mainzer.
Für seinen Trainerkollegen Andreas Herzog war es der bisher wohl schönste Sieg seit dem Amtsantritt vor acht Monaten. „Ein paar wichtige Spieler von uns haben einen absoluten Sahnetag erwischt“, sagte Herzog zum unerwarteten Erfolg. Herzog, mit 103 Einsätzen eine Legende im österreichischen Nationalteam, verkniff sich jedes Triumphgefühl. Er war im Herbst 2017 zum wiederholten Mal als Nationalcoach der Österreicher im Gespräch gewesen, ehe dann Foda den Job bekam.
Ohne den Bayern-Profi David Alaba und den Augsburger Michael Gregoritsch hatte Österreich einen Top-Start. Bereits in der 8. Minute traf der frühere Bremer Marko Arnautovic. Doch später vertändelten die Österreicher die Führung, in 32 Minuten kassierten sie vier Gegentore (gleich drei davon erzielte der 25-jährige Eran Zahavi).
In der Gruppe G steht Österreich als Vorletzter nun gehörig unter Druck. Am 7. Juni empfängt das Team Slowenien, bevor es am 10. Juni auswärts gegen Nordmazedonien punkten will und muss. „Man hat sich selber den allergrößten Druck gemacht“, sagte Prohaska. Einige Fans machten ihrem Unmut über Foda Luft. Der Deutsche hat mit dem ÖFB-Team bisher zwar viele Siege geholt, wird aber nur an der EM-Qualifikation gemessen werden. In einer Gruppe, in der die großen Nationen fehlen, steht er mit seiner Mannschaft nun früh unter Druck. dpa