München – Im modernen Fußball lässt sich alles messen, sogar Glück oder Pech. Klingt nach Horoskop, basiert aber auf der Auswertung historischer Daten, die in der Statitikwelt schon seit eingier Zeit unter dem Begriff „Expected Goals“ – also zu erwartende Tore – sehr beliebt sind.
Das Beispiel des Elfmeters: Laut Statistik landen von 100 Strafstößen 75 im Netz, was eine Erfolgsquote von 75 Prozent ergibt. Oder wie die Experten sagen würden: Jeder Strafstoß hat einen xG-Wert von 0,75. xG steht für die „Expected Goals“. So einen Wert gibt es für jede Torchance. Überträgt man diese Formel also auf alle in dieser Saison aufgezeichneten Torchancen und wendet sie auf die aktuelle Bundesliga-Saison an, offenbart sich, welche Mannschaft mehr und welche weniger Pech hat. Oder anders ausgedrückt: Welches Team eben mehr aus seinen Chancen macht – und welches weniger.
Zum einen ist diese Spielerei das perfekte Tool für Statistiknerds, zum anderen belegt sie aber auch: Die Dortmunder Borussia agiert aktuell weit über ihren Möglichkeiten. Wirft man nämlich einen Blick auf die „Expected Points“, also die „zu erwartenden Punkte“, die der BVB laut den Berechnungen der „Expected Goals“ haben müsste, fällt auf: Der BVB hat satte 11,17 Punkte mehr auf dem Konto hat, als er ausgehend von der Qualität seiner Torchancen eigentlich haben müsste. Besonders auffällig: Dortmund hat 14,16 Tore mehr erzielt, als die Chancen im Schnitt eigentlich hergeben. Ganz anders die statistische Situation beim FC Bayern, der momentan noch leicht unter seinen Möglichkeiten spielt: Den Chancen nach zu urteilen, müssten die Bayern 1,16 Punkte mehr auf dem Konto haben.
In dieser Saison hat der BVB also mehr Massel als der FC Bayern, die Frage ist nur: Wie lange noch? Geht es nach Matthias Sammer, haben die Bayern im Titelkampf die Nase vorn. „Sie sind einfach weiter in dieser Situation. Es gibt verschiedene Faktoren: das Heimspiel gegen Dortmund und die Erfahrungswerte“, sagte der Ex-Sportvorstand der Münchner bei Eurosport. „Die Durststrecke im Herbst hat Bayern eindrucksvoll überwunden. Die Spieler sind hungrig.“ Fehlt nur noch etwas Glück.
Dortmund hat mehr Tore, als es die Qualität der Chancen hergibt