München – Andy Schmid würde über das Thema am liebsten gar nicht mehr sprechen. Weil sich der Kapitän der Rhein-Neckar Löwen zu machtlos fühlt. Fast wie eine Marionette: „Wir bewegen und so, wie wir von anderen geführt werden“ sagte er. Worauf Schmidt anspielte, ist die neuerliche Terminkollision zwischen Bundesliga und Champions League.
Samstagabend muss der Deutsche Pokalsieger im Achtelfinal-Rückspiel bein HBC Nantes ran. Ohnehin eine knifflige Aufgabe, die Mannheimer nehmen eine dünne 34:32-Führung aus dem Hinspiel in die Bretagne mit. Doch die Sache wird noch ungleich kniffliger, weil die Löwen heute Abend (19 Uhr) noch den Auftritt in der Bundesliga (HBL) beim VfL Gummersbach zu absolvieren haben. Ein Termin, der sich aus den Verpflichtungen der HBL mit dem Pay-TV-Sender Sky ergibt.
Genau dieser Situation wegen, saßen die Betroffenen bereits im Dezember an einem Tisch, wie Liga-Chef Frank Bohmann erklärte. Doch: „Das hat nicht dazu geführt, dass die Spieltagsansetzung verändert werden konnte.“ Und das ist in der Tat eine fast schon kuriose Wiederholung der Geschichte. Im vergangenen Jahr hatten die Rhein-Neckar Löwen für Schlagzeilen gesorgt, weil sie als Konsequenz aus der Terminkollision mit dem Bundesliga-Gipfel beim THW Kiel zum Champions-League-Spiel beim polnischen Spitzenclub Vive Kielce ihre zweite Mannschaft entsandten. Beides ging nicht gut aus. Die „Zweite“ kassierte trotz eines couragierten Auftritts die erwartete Packung, für die Erste setzte es in Kiel eine deutliche Niederlage.
Zu solchen Manövern wird es diesmal nicht kommen. Noch heute Nacht treten die Löwen, und zwar die erste Mannschaft, die gut 900 Kilometer lange Busreise von Gummersbach nach Westfrankreich an. Laut „Mannheimer Morgen“ charterte der Club für diese Gelegenheit eigens ein zweistöckiges Gefährt, das zumindest Schlafgelegenheiten für den Trip bietet. Das Beste machen aus einer unbefriedigenden Situation.
Die merklich verschnupfte Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann forderte jedoch noch einmal Konsequenzen ein. „Es muss eine Grundsatzentscheidung der Liga her: Um den deutschen Champions-League-Startern zu helfen, brauchen wir mehr Flexibilität“, sagte sie, „Es muss möglich sein, dass die deutschen Vereine auch mittwochs ihre Ligaspiele austragen können, wenn sie samstags in der Champions Leage antreten.“ Bis jetzt ist es das nicht. Der derzeitige Fernsehvertrag sieht feste Spieltage der Bundesliga am Donnerstag und am Sonntag vor.
Sollte es solche Konsequenzen nicht geben, dann fürchtet der Mannheimer Trainer Nicolaj Jacobsen einen dauerhaften Wettbewerbsnachteil für die Bundesliga. In Gestalt von Champions-League-Gegnern, die sich das starre deutsche Korsett zu Nutze machen und die Partien in der Königsklasse sogar ganz gezielt am Samstag ansetzen um die Regerationsphase der Deutschen kurz zu halten. „Wenn der Plan so ist, dass donnerstags in der Bundesliga gespielt werden muss, werden die anderen Vereine das sicherlich nutzen“, sagte Jacobsen, „sie wären dumm, wenn sie dann nicht samstags gegen die Deutschen spielen.“
Gegner Nantes absolvierte sein Ligaspiel in Cesson in dieser Woche übrigens bereits am Mittwoch.