München – Die Meldung als solche hat niemanden mehr überrascht. Als der FC Bayern gestern um 17.05 Uhr eine Presseerklärung verschickte, wonach er Lucas Hernandez (23) von Atletico Madrid bis 2024 verpflichtet habe, hielt sich das Raunen in der Branche in Grenzen. Dass der Franzose in München sehr geschätzt wird, ist seit Monaten bekannt, zeitweise stand eine Verpflichtung noch in der Winterpause zur Debatte.
Kurios waren die Umstände dennoch, unter denen der Transfer gestern besiegelt wurde. Die obligatorische Untersuchung bei Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt brachte eine Verletzung am Innenband des rechten Knies zum Vorschein, die noch gestern operiert wurde. Gänzlich überraschend kam die Diagnose nicht. Bereits seit sechs Wochen muss der Weltmeister pausieren. Während Atletico eine konservative Behandlung favorisierte, um ihn noch mal einsetzen zu können, drängten die Münchner – und der Patient – auf einen sofortigen Eingriff. „Zum Bundesligastart 2019/2020“ werde der Spieler „zur Verfügung stehen“, versicherte der Vereinsarzt.
Auf die Verhandlungen hatte das Malheur gleichwohl keinen Einfluss mehr. So eine Innenbandblessur ist im modernen Fußball keine große Sache. Im Sommer, wenn die Bayern ihren vielzitierten Umbruch vollziehen, wird der Spieler seinen Beitrag leisten, sei es durch seine Zweikampfstärke und Geschwindigkeit oder durch Vielseitigkeit. Regelmäßig wechselte er in Madrid zwischen linker Seite und Innenverteidigung. Knapp zwei Drittel seiner Partien bestritt er in dieser Saison im Zentrum, wo er mit Mats Hummels und Jerome Boateng konkurrieren könnte. Oder aber er macht David Alaba den Platz an der Seite streitig. Variationsmöglichkeiten hätten die Bayern jedenfalls einige. Das ist ein wesentlicher Aspekt dieses Transfers, für den in München die Rekordablöse (bisher Tolisso/41,5 Millionen) fast verdoppelt wurde (auf 80 Millionen).
Eine andere Personalie dürfte sich schwieriger gestalten. Gestern berichtete die „Times“, dass der FC Chelsea Callum Hudson-Odoi auf keinen Fall verkaufen will. Bis 2020 ist der Außenstürmer gebunden. Und selbst wenn er nicht länger bleiben wolle, habe Chelsea kein Interesse, ihn vorzeitig zu verkaufen. Das hängt damit zusammen, dass der Club für die kommenden beiden Wechselperioden mit einer Transfersperre belegt worden ist. Einen aufstrebenden Nationalspieler können sie gut gebrauchen. Und wer weiß, vielleicht stellt der demonstrativ wechselwillige Hudson-Odoi (18) jetzt ja fest, dass seine Perspektive in London sich deutlich verbessert hat.