Sakhir – Unter Hochdruck fahndet Sebastian Vettel mit seinen Ferrari-Ingenieuren nach der beim Auftakt in Australien verlorenen Zeit. Neben der Tüftelei am Firmensitz in Maranello signierte der zum Formel-1-Saisonstart von Mercedes gnadenlos abgehängte viermalige Weltmeister noch im Akkord Souvenirs für Fans. Nach dem Schock durch den Doppelerfolg der Silberpfeile müssen Vettel und die Scuderia auf ihrer Titelmission schon im Wüstenrennen von Bahrain die Kurve kriegen.
„Wir müssen sicherstellen, dass wir die Bereiche, in denen wir in Australien schwach waren, verstanden und korrigiert haben“, forderte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto unmissverständlich vor dem zweiten Grand Prix der Saison am Sonntag (17.10 Uhr/RTL und Sky). „Wir erwarten, dass sich die Korrekturen bemerkbar machen, obwohl wir uns bewusst sind, dass unsere Wettbewerber wieder sehr stark sein werden.“
Schon nach den ersten 58 Runden dieser jungen Formel-1-Saison scheint der Spielraum für Fehler bei Ferrari ausgeschöpft. Zu schwer wiegen die Eindrücke vom anderen Ende der Welt, als Vettel und sein neuer Teamkollege Charles Leclerc das Tempo von Auftaktsieger Valtteri Bottas und Lewis Hamilton nicht mitgehen konnten. Den roten Rennwagen fehlte die Haftung, die Reifen bauten in besorgniserregendem Maße ab. „Das muss eine Ausnahme bleiben“, stellte Binotto klar, der den in der Schlussphase drängenden Leclerc zugunsten von Vettel sogar noch einbremsen ließ.
„Ein Rennen allein bestimmt nicht das Kräfteverhältnis für den Rest der Saison“, bemerkte Mercedes-Teamchef Toto Wolff – und warnte vor einem Konter der Italiener. „Wir haben das Potenzial im Paket von Ferrari in Barcelona gesehen und erwarten, dass sie in Bahrain gestärkt zurückkommen werden“, mahnte Wolff und erinnerte an die überzeugenden Auftritte der Scuderia bei den Testfahrten. „Ferrari wird alles in seiner Macht stehende unternehmen, um zurückzuschlagen“, erwartet Wolff.
Immerhin können Vettel und Ferrari aus ihrer Vergangenheit am Persischen Golf Zuversicht schöpfen. Nach einem Taktik-Thriller raste der Heppenheimer im vergangenen Jahr ganz oben auf das Podest und ist mit vier Erfolgen Rekordsieger. Ferrari stellte unter dem Flutlicht bereits sechsmal das schnellste Auto, Scuderia-Ikone Michael Schumacher war 2004 sogar Premierensieger.
„Es ist schwierig, in der Wüste den richtigen Rhythmus zu finden, vor allem wegen des Sands, der vom Wind auf den Kurs geblasen wird“, erläuterte Vettel, für den in seinem fünften Ferrari-Jahr endlich der WM-Titel her muss. „Wenn man nur Millimeter von der Ideallinie abweicht, fängt man zu rutschen an und kann die Runde in die Tonne werfen, weil man die einmal verlorene Zeit einfach nicht wieder gutmachen kann.“
Der Weg zum Ziel führt für den hessischen Titeljäger also über die Präzision. Nicht nur in Sakhir.