München – Im Frühjahr 2002 haben die Eishockeyclubs aus Augsburg und München schon einmal in den DEL-Playoffs gegeneinander gespielt – und an eine Geschichte erinnert sich Duanne Moeser noch ganz genau. Im zweiten Spiel der Serie erlitt ein Profi der Münchner, die sich damals noch Barons nannten, bei einem Zweikampf eine Schnittwunde im Gesicht, ein Augsburger wurde vom Schiedsrichter bestraft. Im dritten Spiel checkte ein anderer Augsburger denselben Münchner hart, aber wohl fair. Doch als dieser aufs Eis fiel, kratzte er am Boden mit seinen Fingern die alte Schnittwunde wieder auf. Der Schiedsrichter entdeckte das Blut – und schickte den Augsburger auf die Strafbank. Die Barons gewannen, rückten ins Halbfinale vor. Das hat Moeser bis heute nicht vergessen.
Es gibt in der Eishockey-Rivalität zwischen Augsburg und München aber so viele dieser Anekdoten, dass selbst Duanne Moeser, 55, dem legendären kanadischen Stürmer, die allermeisten wieder entfallen sind – obwohl er in seinen insgesamt 709 Pflichtspielen für den AEV einige miterlebt hat. Einmal aber, sagte er gestern ins Telefon, haben seine Panther 0:10 in München verloren. „Das ist aber keine schöne Erinnerung.“
Jetzt, da die beiden Vereine im DEL-Halbfinale mal wieder aufeinandertreffen (Spiel eins: heute, 19.30 Uhr, in der Olympia-Eishalle in München) zählen alte Erinnerungen ohnehin nicht mehr. Es hat sich einfach zu viel verändert, besonders in München. Im Jahr 2013 hat der Red-Bull-Konzern die Profisparte übernommen – und aufgeputscht mit dessen Millionen ist der EHC zuletzt dreimal in Folge Meister geworden. Natürlich hat sich in Augsburg auch etwas getan, der alte Stürmer Duanne Moeser mischt aber immer noch mit, inzwischen halt als Sportmanager. Er findet aber: „Eine Playoffserie gegen München ist immer cool – früher und heute.“
Zum einen freut sich Moeser auf die Augsburger Fans, die in den Playoffs ohnehin ziemlich laut sind (im finalen siebten Spiel der Viertelfinalserie gegen Düsseldorf wurden in der Augsburger Halle 101,3 Dezibel gemessen) und in München stets in besonders großen Gruppen auftauchen. Er sei beeindruckt, sagt Moeser, wie viele Fans mitreisen. „In München ist es oft ein Heimspiel für uns.“ Zum anderen blickt er der sportlichen Herausforderung gegen den Titelverteidiger trotz der jüngsten Schwächungen (nach den Verletzungen von Christoph Ullmann und T. J. Trevelyan bleiben den Panthern nur drei Sturmreihen auf Spitzenniveau) sehr optimistisch entgegen. Man müsse den EHC-Torhüter Danny aus den Birken, den er den „besten Torhüter der Liga“ nennt, allerdings unter Druck zu setzen – mit vielen Schüssen und viel Verkehr vor dem Tor. „Er wird viele erste Schüsse stoppen“, sagt Moeser, „wir müssen deswegen durch die Defensive kommen, um an die Abpraller zu kommen.“
Und wie stoppt man den Angriff des Meisters? Es gehe darum, sagt Moeser, die Maschine, die München auf dem Eis in Bewegung bringt, aufzuhalten. Und wie geht das? Er will keine Details nennen, dafür allerdings einen alten Spruch, den er noch aus Kanada kennt: „We have to put a stick in the stokes.“ Also einen Stock in die Speichen stecken.