Es ist zuletzt viel geredet worden beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) vom überfälligen Umbruch, Reformen, Neuanfang. Sogar drei hochverdiente Weltmeister traf in diesem Zusammenhang der Bannstrahl. Einer, der sich überraschend lange vor dem Sturm der Kritik, der nach der spektakulär verkorksten WM 2018 einsetzte, wegducken konnte war Reinhard Grindel. Der DFB-Präsident. Nun erwischte es ihn also doch noch. Dass der ranghöchste Repräsentant des weltgrößten Sportverbands kapitulieren musste, war nach der jüngsten Entwicklung allerdings keine Überraschung. Sondern eher eine Notwendigkeit. Und es gibt eine Menge Gründe, die Demission als glückliche Fügung zu bewerten.
Sicher, es hatte schon stark würdelose Züge, wie Grindel in den zurückliegenden Tagen nach und nach demontiert wurde. Und das nicht zuletzt mithilfe von dreisten Indiskretionen aus dem nahen Umfeld des DFB-Chefs. Offenkundig war: Man wollte ihn loswerden. Der Zweck schien da die fragwürdigen Mittel zu heiligen.
Grindel befand sich jedenfalls auf verlorenem Posten, nachdem dubiose Nebeneinnahmen und ein Uhren-Geschenk aus der Ukraine ans Tageslicht gekommen waren. Die wahren Gründe für den Sturz des Hamburgers sind jedoch fundamentaler. Denn der hohe Funktionär erwies sich als eklatante Fehlbesetzung, er verkörperte die Führungskrise des deutschen Fußballs. Ganz besonders offenbarte sich dies beim Umgang mit der Özil-Affäre – und in der Aufarbeitung des WM-Desasters. Der ohnehin absolut uncharismatische Grindel gab stets eine unglückliche Figur ab. Man hätte auch sagen können: Die versagende Nationalmannschaft hatte den Präsidenten, den sie verdiente.
Nun also ist Reinhard Grindel Fußball-Vergangenheit (wenn auch bestimmt kein Fall für die Hall of Fame). Auf seinen Nachfolger wartet kein leichtes Erbe. Die Nationalmannschaft ist gerade erst dabei, ihre schweren Imageverluste zu reparieren. Die Kluft zwischen Profi- und Amateurlager wird immer größer. Unüberhörbar ist auch das Murren bei den (nicht zuletzt von Grindel) verstimmten Fans. Es liegt einiges im Argen beim so ruhm- und traditionsreichen DFB.
Wer das Zeug und die Strahlkraft hätte, für nachhaltige Aufbruchstimmung zu sorgen? Philipp Lahm hat sein Interesse am vakanten Ehrenamt bereits bestritten. Wäre schön, wenn er seine Absage noch einmal überdenken würde.
Armin.Gibis@ovb.net