München – Renato Sanches wäre am Mittwoch gar nicht weiter aufgefallen. Der junge Portugiese verließ als einer der ersten Spieler das Stadion, er hatte eine Kapuze übergezogen. Es war nicht gerade der Auftritt eines Mannes, der unbedingt auf sich aufmerksam machen und eine Botschaft übermitteln wollte. Aber irgendwann stellte ihm doch ein Reporter eine Frage. Und Renato Sanches begann zu reden.
Der defensive Mittelfeldspieler ist vor drei Jahren steil aufgestiegen, bei der EM wurde er zum „Golden Boy“, dem besten Nachwuchsspieler gekürt. Heute ist das nur noch eine ferne Erinnerung. Sanches (21) hat im Zentrum eine Menge Konkurrenz, niemand wäre in diesem wilden Spiel, wo die Bayern früh einen Innenverteidiger und nach der Pause fähige Stürmer brauchten, auf die Idee gekommen, der Trainer müsse nun ihn bringen. Dennoch brach sich sein Frust ausgerechnet an diesem Abend Bahn. „Natürlich möchte ich mehr spielen“, berichtete er und dass die Situation für ihn äußerst schwierig sei: „Der Trainer erklärt mir nicht, warum ich nicht spiele.“
Der FC Bayern war damals sehr stolz darauf, ein europaweit begehrtes Talent mit einem Vertrag bis 2021 ausgestattet zu haben. Heute sprechen sie immer noch positiv über ihn, ob Spieler (Mats Hummels: „Ein guter Junge und ein Fußballer mit großartigen Anlagen“) oder Sportdirektor. Hasan Salihamidzic lobt Sanches’ Trainingseifer, aber allzu viel Hoffnung, dass sich die Lage bessert, kann er nicht machen: „Es sind Leute vor ihm. Der Trainer entscheidet. Das muss man akzeptieren.“
Wenn im Sommer das große Stühlerücken beginnt, dürfte auch der Mann aus Amadora beteiligt sein. Wortreich hat Niko Kovac gestern einen anderen Spielertypen im Zentrum gefordert, mehr Autorität und Präsenz. Es wird sich viel verändern.
Auch Jerome Boateng, der im vergangenen Sommer fast in Paris gelandet wäre, ist ein plausibler Kandidat. Nach den Verpflichtungen von Benjamin Pavard und Lucas Hernandez haben die Bayern ein Überangebot an Innenverteidigern. Zuletzt sorgte der trendbewusste Weltmeister vor allem durch die Ansetzung einer Party für Aufsehen, die nur wenige Stunden nach Abpfiff des Spitzenspiels gegen Borussia Dortmund steigen soll. Sein Trainer ärgert sich zwar, dass daraus in den Medien eine große Geschichte gemacht wurde („Männer, das geht zu weit!“). Begeistert ist er von der Terminplanung aber auch nicht: „Ich persönlich hätte die Party nicht angesetzt.“ mb