Berlin – Trotz seines Rückzugs als DFB-Boss ist Reinhard Grindel noch längst nicht alle Sorgen los: Die Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes will am kommenden Mittwoch zu den Vorwürfen gegen den zurückgetretenen Präsidenten beraten. Der kommissarische Vorsitzende Nikolaus Schneider sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, das Gremium werde sich am 10. April „mit der Berichterstattung über Herrn Grindel beziehungsweise den daraus entstehenden Fragen“ beschäftigen. Die Kommission werde dann entscheiden, ob und wenn ja wie sie in der Sache weiter vorgehen werde. Weitere Vorwürfe seien der Kommission nicht bekannt.
Grindel war am Dienstag zurückgetreten und hatte dabei die Annahme einer Uhr bestätigt, deren Wert er mit rund 6000 Euro angab. Die Uhr sei ein Geschenk des früheren ukrainischen Verbandschefs Grigori Surkis gewesen. Über den Sitzungstermin der Ethikkommission hatte auch die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.
Nach Informationen der „FAZ“ soll der DFB prüfen, ob er Vergütungen von Grindel für sein Aufsichtsratsmandat bei der DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft in den Jahren 2016 und 2017 zurückfordern kann. Im Raum steht eine Summe von 78 000 Euro. Grindel hatte sich in seiner Rücktrittserklärung dazu ebenso nicht geäußert wie zu seinen Mandaten bei den internationalen Verbänden FIFA und UEFA. Sie sind nicht an das Präsidentenamt beim DFB gebunden.
Der Weltverband FIFA erklärte dem Bericht zufolge, Grindel habe die Annahme des Uhren-Geschenks gemeldet. „Ich gehe davon aus, dass alle drei Organisationen – DFB, UEFA und FIFA – mögliche Verstöße von Herrn Grindel gegen die jeweiligen Ethikregeln prüfen werden“, sagte Hans-Joachim Eckert, bis Mai 2017 Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission war.
Derweil hat sich Anti-Korruptions-Kämpferin Sylvia Schenk (66) für eine Grindel-Nachfolge in Stellung gebracht. „Ich will nicht kandidieren, aber zutrauen würde ich es mir, wenn die Leute es wollen und reif für eine Frau sind“, sagte die Leiterin Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International Deutschland.
Dürften Deutschlands Fußball-Fans entscheiden, hätte der 90er-Weltmeister Rudi Völler (58) gute Karten auf die Nachfolge von Grindel als DFB-Präsident. 35 Prozent stimmten laut einer „Bild“-Umfrage bei einer Auswahl von sechs Kandidaten für den früheren DFB-Teamchef und aktuellen Geschäftsführer Sport von Bayer Leverkusen, der damit auch vor den ehemaligen Nationalspielern Christoph Metzelder (28) und Thomas Hitzlsperger (36) lag.
Wer Grindel tatsächlich beerben wird, kristallisiert sich momentan aber noch nicht heraus. Vor der Personenwahl sollen aber ohnehin zuerst zeitgemäße Strukturen beim DFB geschaffen werden. dpa/sid