Unterhaching – Damit hatten Herrschings Volleyballer wohl selbst kaum gerechnet: Durch den 3:2 (28:26, 20:25, 25:16, 28:30, 15:13)-Sieg gegen die Hypo Tirol Alpenvolleys Haching erzwangen sie gestern ein Entscheidungsspiel um den Einzug ins Halbfinale der Deutschen Volleyball-Meisterschaft.
Der Blick auf die Anzeigetafel war schon in der Anfangsphase des ersten Durchgangs doppelt verwirrend: Da führte die Heimmannschaft, doch es waren die Underdogs aus Herrsching, die an diesem Abend in Unterhachings Sportarena offiziell als Gastgeber fungierten, weil ihre eigentliche Spielstätte am Ammersee für die Playoffs bekanntlich nicht zugelassen ist.
Und tatsächlich: Das Team von Max Hauser legte vor 1000 Zuschauern einen furiosen Start hin, machte nicht den Eindruck, als habe es nach der 0:3-Niederlage im ersten Spiel die Flinte im Kampf um den Semifinaleinzug schon ins Korn geworfen. Selbst als die Alpenvolleys zwischenzeitlich das Kommando zu übernehmen schienen, streckten die Herrschinger die Waffen nicht – sie spielten weiter auf Augenhöhe mit und leisteten ihren Beitrag zu einem packenden Finale des Abschnitts, den sie in der Verlängerung für sich entscheiden konnten: Nach je zwei vergebenen Chancen auf beiden Seiten, tropfte der dritte Satzball des Außenseiters nach einer Uneinigkeit zwischen Pawel Halaba und Douglas da Silva ins zum 28:26 ins Alpenvolleys-Feld.
Doch die Spielgemeinschaft aus Unterhaching und Innsbruck reagierte nicht mit Verunsicherung, sondern einer gehörigen Portion Wut im Bauch und einer 5:0-Führung, von der sie bis zum 25:20 zehrte. Satzausgleich also, doch keine Wende, denn plötzlich legten die Herrschinger wieder los wie entfesselt, gingen ihrerseits mit 12:6 in Front und spielten sich in diesem dritten Satz in einen wahren Rausch: Am Ende demütigten sie die nun völlig neben sich stehenden Alpenvolleys mit 25:16.
Hochspannung dann wieder im vierten Satz, in dem Herrsching fast durchgehend führte, um nach drei vergebenen Matchbällen doch noch mit 28:30 zu unterliegen. Und so ging es in den Tiebreak mit einem kleinen Extra-Drama, denn Herrschings Außenangreifer Tim Peter knickte um, musste aufgeben. Seine Mitspieler knickten indes nicht ein, nutzten den sechsten Matchball zum 15:13. Die Anzeigetafel hatte kurz vorher ihren Geist aufgegeben, ganz so, als ob es nicht geschehen sein könne, was sich in den 132 Minuten abgespielt hatte. Und tatsächlich sagte Alpenvolleys-Coach Stefan Chrtiansky: „Es war unglaublich, was Herrsching für Bälle verteidigt hat.“ Auch Herrschings Kapitän Lukas Bauer staunte: „Wir haben einen Sahnetag erwischt.“
Die Alpenvolleys sind allerdings nicht das einzige Beispiel dafür, dass es in den Playoffs für den Favoriten manchmal anders kommt als man vorher denkt: Auch in jenem Duell, auf dessen Sieger die Alpenvolleys im nach Best-of-Five-Modus auszutragenden Halbfinale treffen würden, geht es in die Verlängerung. Der Titelverteidiger aus Berlin musste sich nach dem klaren 3:0 gegen Düren im Rückspiel 2:3 geschlagen geben, bestreitet am Sonntag sein Entscheidungsmatch. Die Hoffnung der Alpenvolleys, den Hauptstädtern nach einem freien Wochenende ausgeruht begegnen zu können, hat sich allerdings mit der gestrigen Pleite zerschlagen.