München – Vitali und Wladimir Klitschko, Henry Maske, Dariusz Michalczewski und Sven Ottke – am Samstagabend geben sich viele ehemalige Boxweltmeister im BallhausForum in Unterschleißheim die Klinke in die Hand. Der Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) feiert seinen 70. Geburtstag und der hiesige Promoter Alexander Petkovic, 38, veranstaltet eine Fight Night. Im Hauptkampf duelliert sich Serge Michel mit Ryan Ford (Kanada) um den International-Silver-Titel – die dritthöchste Auszeichnung des Weltverbands WBC nach dem WM-Titel und dem Internationalen WM-Titel. Genau darin liegt aktuell das Kernproblem des deutschen Boxens. Michel und seine Mitstreiter agieren im Schatten der alten Helden. Gut, Tom Schwarz aus dem SES-Stall darf am 15. Juni in Las Vegas gegen Tyson Fury in den Ring. Reelle Chancen hat der Magdeburger – sofern Fury in Normalform antritt – aber nicht.
Michel, 2016 Chemiepokalsieger und Olympiateilnehmer, tritt leicht auf der Stelle. Seit seinem Profidebüt vor zwei Jahren gewann der 30-Jährige alle acht Kämpfe und boxte sich auf Rang 29 der WBC-Weltrangliste vor, vom anvisierten WM-Titel im Halbschwergewicht, den Maske und Michalczewski hielten, ist er aber noch mehr als zwei Schritte entfernt. Gegner Ford, ein ehemaliger MMA-Kämpfer und Nummer 76 der Welt, darf am Samstag keine Hürde sein. Promoter Petkovic verspricht dennoch „eine Schlacht“ im Ring. Insgesamt sei man mit Michel, der zwischenzeitlich acht Monate wegen eines Handbruchs pausieren musste, auf einem guten Weg. „Nach drei Jahren wollen wir um die WM kämpfen, so war der Plan.“
Tina Rupprecht, 26, hat das schon geschafft. Die Augsburgerin verteidigt ihren WBC-WM-Titel im Minimumgewicht (bis 46,266 Kilogramm) gegen die Mexikanerin Maricela Quintero (18 Siege, vier Niederlagen, ein Unentschieden). „Dass sie viel mehr Kämpfe hat als ich, ist mir eigentlich egal“, sagt Rupprecht. „Ich habe schon oft Gegnerinnen mit mehr Erfahrung geboxt.“ MATHIAS MÜLLER