Schalke verzweifelt, Werder glückselig

von Redaktion

Gelsenkirchener Großbaustelle: Keine Form, kein Trainer – Bremer Pokalträume

Gelsenkirchen – Bundesligist FC Schalke 04 gleicht wie sein im Umbau befindliches Vereinsgelände Berger Feld einer Großbaustelle. Zur prekären Lage im Abstiegskampf und dem Pokal-Aus gegen Werder Bremen gesellen sich Personalprobleme. Hinzu kommt die verzweifelt anmutende Suche nach einem Trainer zur neuen Saison, einem Sportdirektor und einem Technischen Direktor. Bis gestern konnte der Tabellen-14. noch kein Resultat vermelden. In Roger Schmidt ist nach Bruno Labbadia und Marco Rose, der dem Vernehmen nach in Mönchengladbach anheuert, der dritte Fußballlehrer aus dem Kandidatenkreis ausgeschieden.

Vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt mussten Interimscoach Huub Stevens und sein weiter verunsichertes Team auch die kleine Hoffnung begraben, die völlig verkorkste Spielzeit womöglich noch mit einem Pokaltitel versöhnlich zu beenden. „Meine Mannschaft ist richtig geknickt. Sie hat alles versucht, sich aber nicht belohnt“, sagte „Jahrhunderttrainer“ Stevens nach dem 0:2 (0:0) im Viertelfinale.

Die 2019 noch unbesiegten Bremer waren zu stark, obwohl sie nicht einmal ihren besten Tag hatten. Zwei starke Aktionen genügten dem effektiv und abgeklärt agierenden Bundesliga-Sechsten, um durch die Tore von Milot Rashica (65.) und Davy Klaassen (72.) souverän ins Halbfinale einzuziehen. Die 6000 mitgereisten Werder-Fans wussten schon, wen sie sich nun am 23./24. April als Gegner wünschen. „Über Hamburg fahr’n wir nach Berlin“, sangen sie ausgelassen. Der HSV wäre als einziger verbliebener Zweitligist nicht nur der vermeintlich leichteste Kontrahent.

Er weckt beim Team von Trainer Florian Kohfeldt auch positive Erinnerungen. Denn bei seinem bis dato letzten Cup-Sieg 2009 setzte sich Werder im Halbfinale beim Nord-Rivalen durch. „Mir ist der Gegner eigentlich egal“, sagte Abwehrspieler Marco Friedl lächelnd: „Aber ich habe die Fans natürlich gehört.“ Neben den Hamburgern liegen bei der Auslosung am Sonntag im Rahmen der ARD-Sportschau (ab 18 Uhr) noch der FC Bayern und RB Leipzig in der Lostrommel.

Auch Werders Geschäftsführer Frank Baumann sieht „viele Parallelen“ zu 2009. „Bis jetzt hatten wir nur Auswärtsspiele und richtig schwere Gegner dabei. Ein Halbfinale in Hamburg würde da passen.“ Kapitän Max Kruse fände das „Nordderby im Finale“ auch passend: „Wir wollen uns jetzt unseren Traum erfüllen. Ich habe noch keinen Titel gewonnen und war als Spieler noch nie im DFB-Pokalfinale. Wir werden alles daran setzen, dem Verein wieder glorreiche Zeiten zu bescheren.“

Von solchen Zeiten haben sich die Königsblauen nach ihrer sensationellen Saison mit der Vizemeisterschaft und dem Einzug in die Champions League in Rekordzeit entfernt. Die volle Aufmerksamkeit gilt nun nur noch der Vermeidung des größten anzunehmenden Unfalls, dem Absturz in die 2. Liga. Stevens, 65, glaubt zu wissen, „woran es liegt“, verrät es aber nicht. „Ich bin doch nicht verrückt, es zu sagen. Das bespreche ich mit den Spielern“, sagte der Niederländer nebulös.  dpa

Artikel 1 von 11