München – Zumindest Uli Hoeneß hatte ja in den letzten Monaten immer wieder laut geschwärmt. Es wäre „ein Traum“, so verriet der Präsident des FC Bayern, wenn dieses letzte Hauptrundenspiel seiner Basketballer in der Euroleague so etwas wie ein Finale um den Einzug in die Playoffs wäre. Die Hoffnung ist in der vergangenen Woche geplatzt. Seit der Niederlage bei Darüssafaka Istanbul ist klar: Die heutige Partie im heimischen Audi Dome gegen Gran Canaria (20 Uhr) ist für diese Saison die Münchner Abschiedsvorstellung aus Europa.
So tief der Stachel noch in Istanbul gesessen haben mag – inzwischen ist der Frust bei den Bayern doch verflogen. „Die Chance war vorher ja schon vorher nur noch sehr klein“, sagte Kapitän Danilo Barthel, „aber jetzt wollen wir natürlich einen guten Abschluss.“ Einen Sieg fürs Gemüt sozusagen, am Ende einer internationalen Saison, in der die Bayern laut Statistik ein Stück Geschichte geschrieben haben. 13 Erfolgserlebnisse hat man bislang eingesammelt. Schon diese Marke hatte bis dato noch kein deutsches Team in der Königsklasse erreicht. Auch wenn Barthel mit dieser Betrachtung nicht viel anfangen kann: „Das hat uns deswegen ja auch nicht weiter gebracht.“
Aber wenn bei den Bayern von der nächsten Woche die Zeit der Analyse beginnt, dann wird sportliche Ausbeute am Ende sicher doch eine Rolle spielen. Und der Tenor dürfte dann sein, dass man mit diesem ersten Jahr im Kreis der Allerbesten dann doch ganz gut leben kann. Das glaubt auch Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic: „Wir haben alles erreicht, was wir erreichen wollten“, sagte er.
Was letztlich fehlte, um in die Top 8 zu klettern, denen man über weite Strecken der Saison angehörte – darüber will sich der 42-Jährige mit der Führungscrew in den nächsten Wochen seine Gedanken machen. Die langfristige Verletzung von Stamm-Center Devin Booker war sicher nicht hilfreich. Der US-Profi zog sich Mitte Dezember eine schwere Knöchelverletzung zu und konnte erst kürzlich bei Zalgiris Kaunas wieder eingreifen – zu spät, um noch die Impulse zu geben, die das Team vielleicht von ihm gebraucht hätte, um die vielleicht zwei fehlenden Erfolgserlebnisse zu holen.
Aber es fiel auch auf, dass die Bayern anders etwa als die Konkurrenz aus Baskonia oder Kaunas ausgerechnet in der Endphase der Hauptrunde ihren ersten kleinen Knick erlebten. Selbst verlässlichste Größen wie Derrick Williams oder Vladimir Lucic kamen nicht mehr an die Form vom Januar heran, als man sogar den Hauptrunden-Champion Fenerbahce Istanbul in einem begeisternden Spiel stolpern ließ. Pesic reicht die Verantwortung dafür an Trainer Dejan Radonjic weiter. „Ich denke, dass wir das Zeitmanagement der Spieler zwischen den beiden Wettbewerben hätten besser machen können“, sagte er.
Bis Ende Dezember hatte Radonjic seine zweite Reihe mit Braydon Hobbs, Robin Amaize oder auch den Nachwuchskräften wie Marvin Ogunsipe oder Nelson Weidemann weitgehend außen vor gelassen. Danach änderte der Montenegriner seine Haltung zwar. Und doch fehlten den Vielspielern am Ende die Kräfte um dem historischen ersten Playoff-Einzug einer deutschen Mannschaft noch ein bisschen näher zu kommen. Oder wenigstens dem Traum des Präsidenten. Von einem Finale, heute, gegen Gran Canaria.