Ein Markt entwickelt sich: „Jeder Chinese will einmal in den Alpen Skifahren“

von Redaktion

Yitao Li hat 2006 in Aachen studiert, Maschinenbau. In diesem Bereich gearbeitet aber hat er nie. In Deutschland entdeckte er seine Leidenschaft zum Skifahren, lernte die Alpen kennen und lieben. Nur Chinesen traf er bei seinen Skiurlauben in Bayern, der Schweiz, Österreich, Frankreich und Italien so gut wie keine. „Dieser Spaß sollte jedem ermöglicht werden“, fand Li. Darauf hat er sein Mini-Unternehmen – es besteht aus ihm und seiner Frau – ausgelegt: Sie organisieren für ihre Landsleute Skireisen in den Alpenraum, kümmern sich um Unterkünfte, Transfers, Lifttickets, organisieren Rennen und Trainings. Für Privatleute und Teams. Seit 2013 betreibt der 31-Jährige das Geschäft von Grainau (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) aus. Es läuft, wächst langsam. Noch reisen Chinesen zum Skifahren ins Ausland vor allem nach Japan. „Aber jeder Chinese will einmal in den Alpen Skifahren“, sagt Li. Kontakte zwischen den europäischen und chinesischen Skigebieten bestehen längst. Secret Garden, Austragungsort der Olympischen Freestyle-Wettbewerbe, trägt die Handschrift von Laax. Das schweizerische Gebiet und die Asiaten arbeiten eng zusammen, bieten Pakete für Reisende an. Und wer in Verbier eine Jahreskarte kauft, bekommt in Wanlong fünf Skitage geschenkt – sofern er sich in einem Partnerhotel des Resorts einquartiert. Auch die Franzosen sind interessiert. Seit etwa drei Jahren kennen sich Li Lou, Inhaber und Gründer des Skiresorts Wanlong, und ein Franzose, der unter anderem die Gebiete Val d’Isère und Trois Vallées vertritt. Man unterhält sich viel, trinkt viel – die Zahl der ausgebrachten Toasts beim Schnaps dürfte mittlerweile leicht in den dreistelligen Bereich gehen. Überaus (gast)freundlich und respektvoll gehe man miteinander um, sagt der Franzose. Bis aber konkrete Verträge abgeschlossen werden – das dauert. Der Chinese schließe nicht schnell Vertrauen.

Das erlebt auch Klaus Schanda. Der Marketingleiter der Bayerischen Zugspitzbahn kennt den chinesischen Markt seit Jahren. Die jährlich rund 10 000 chinesischen Gäste besuchen die Zugspitze bislang jedoch in erster Linie im Sommer. Langsam starten jedoch auch im Winter erste gemeinsame Projekte. Beispielsweise über eine chinesische Online-Plattform, auf der das Skigebiet Garmisch-Classic samt Zugspitze vertreten ist und bald mit heimischen Beherbergungsbetrieben Reisepakete anbieten will. Dabei stellt Schanda klar: Ziel ist es nicht, im Winter zigtausende Chinesen in die Marktgemeinde zu locken. Ihm geht es um Qualität. Jeder im Ort solle profitieren, Hotels und Pensionen ebenso wie die Gastronomie, Skischulen und der Einzelhandel.  kb

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