ZWISCHENTÖNE

Oben über-, unten unterbezahlt

von Redaktion

Der Begriff des „Fußball-Funktionärs“ hat ja eine enorme Bandbreite. Sie reicht vom mächtigen FIFA-Boss bis zum Mitarbeiter eines winzigen Dorfvereins, weshalb es reichlich ungerecht wäre, nun total angegrindelt den Fußball-Funktionär per se zu verteufeln. Die allerallerallermeisten, die eine Funktion im Fußball ausüben, tun das nämlich wirklich ehrenamtlich, also unbezahlt. Manch kleiner Vereinsfunktionär wäre ja glücklich, würde er nur ein halbes Prozent von dem bekommen, was ein Grindel monatlich vom DFB bezogen hat, ganz zu schweigen von den Nebengeräuschen, die in der halben Million jährlich von UEFA und FIFA kulminieren.

Ein derart dotiertes „Ehrenamt“ wäre natürlich leichter zu besetzen als, sagen wir mal, das eines Jugendtrainers auf dem Land. Der hat natürlich auch wesentlich weniger Aufwand, werden Sie nun einwenden. Was schon stimmt, aber so einfach ist es auch nicht, was der meist nebenberuflich und wirklich unentgeltlich leistet: Planung und Durchführung von zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche, von Punktspielen, Freundschaftsspielen, Turnieren und Ausflügen, Ansprechpartner sein für Eltern und Kinder, auch für Themen abseits des Fußballs. Ein engagierter, manchmal aber etwas frustrierter Nachwuchscoach hat das neulich mal in den sozialen Medien alles aufgelistet. In einem längeren Beitrag, der gerade Eltern nachdenklich stimmen könnte, zumindest sollte.

Was eigentlich erwarten die? Für zwölf bis 15 Euro im Monat Top-Bedingungen und einen absoluten Spitzencoach, natürlich mit Herzblut, für ihre hoffnungsvollen Kids inklusive dem Recht, alles hinterfragen, kritisieren und nach ihren Befindlichkeiten ausrichten zu dürfen? Etwa für ein Spiel oder ein Turnier absagen zu können, weil das Wetter zum Schwimmen im See oder zum Grillen im Garten einlädt? Der gute Mann erzählt viel über allerlei Eigenheiten der Eltern, auch über deren Motivation, ihr Kind zum Fußball zu schicken. Das reiche von „sozialer Integration“ über „Charakter stärken“ bis „Hauptsache beschäftigt“. Und das zu dem Preis, ein Schnäppchen.

Ach ja, der Fußball hat schon was. Gerade für Eltern. Die Beiträge sind so günstig, dass man das Kind locker noch mit dem neuesten Trikot von Gnabry ausrüsten kann, dem neuesten Hightech-Schuh für knappe 300 Euro, sogar der Stadionbesuch bei den Bayern ist noch drin (weshalb der Bub beim nächsten Pflichtspiel seiner Mannschaft leider fehlt). So finanzieren Eltern dann den Irrsinn im Profifußball mit, während sie die Funktionäre vor ihrer Haustür im Regen stehen lassen.

Der leicht frustrierte Jugendtrainer hat da eine interessante Überlegung ins Spiel gebracht: Was wäre, würde sein Verein 200 Euro im Monat für jedes Kind verlangen? Ein Haufen Geld, sicher. Aber ist es das nicht wert? Acht bis zehn Stunden in der Woche wird der Sprössling qualifiziert betreut, er tut was für seine Gesundheit, lernt soziales Verhalten, den Umgang mit Niederlagen und hat Spaß. Das Schwänzen von Training und Spiel wäre kein Thema mehr, Disziplin und Fleiß würden Eltern von ihren Kids strikt einfordern, schließlich haben sie ja viel dafür bezahlt.

Natürlich wird das kaum ein Verein wagen, zumindest ein bisschen nachdenklich aber sollten unzufriedene Eltern darüber schon mal werden. Für den „großen“ Fußball investieren sie doch auch eine ganze Menge, seien es nun Stadionbesuche, neueste Fanartikel oder Sky-Abos. Das Geld fließt halt immer, mal auch in mehr oder weniger wertvollen Geschenken, zu den Großen, die Basisarbeit machen die Kleinen. Viel zu billig. Und verkaufen sich damit weit unter Wert. Sieht der Grindel sicher genauso, war ja selbst Ehrenamtler. Wenn auch nur auf dem Papier.

Von Reinhard Hübner

Ehrenamtler im Nachwuchsbereich verkaufen sich unter Wert – ganz im Gegensatz zu den Verbands-Grindels.

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